Nach Überzeugung der Kammer hatte der Soldat in dem Militärlager in der Annahme, seine Pistole sei nicht geladen, den Abzug betätigt und seinen gleichaltrigen Kameraden aus Bayern erschossen. Der Vorsitzende Richter Martin Giebel sagte, der Soldat habe seine Waffe wie ein Spielzeug benutzt. Er sei sich der konkreten Gefahr offenbar nicht bewusst gewesen. Der Soldat habe damit seine Sorgfaltspflicht verletzt, indem er die Grundregel missachtete, Waffen nicht auf Kameraden zu richten und abzudrücken.

Der Richter wies die Argumentation der Verteidigung zurück, wonach der Soldat vor dem Einsatz in Afghanistan nicht ausreichend belehrt worden sei. Auf die „Kardinalregel“ im Umgang mit Waffen habe der Mann nicht nochmals hingewiesen werden müssen.

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn ausgesagt, der Schuss habe sich gelöst, als er versuchte, das klemmende Magazin in die Waffe zu schlagen. Sein Anwalt Sebastian Weber räumte ein, dass sein Mandant die Pistole nicht gesichert und den Abzug betätigt habe. Es habe sich dabei aber um eine Funktionsprüfung gehandelt und nicht um Waffenspiele. Zeugen hatten indes von Waffenspielen berichtet, die dem Unfall vorausgegangen seien. Ein Gutachter schloss eine Fehlfunktion aus.

Strafmildernd wertete die Kammer, dass sich der 21-Jährige mehrfach bei der Mutter des getöteten Kameraden entschuldigte. Zudem müssten die Einsatzbedingungen vor Ort berücksichtigt werden. Laut Giebel handelte es sich bei dem tödlichen Unfall um einen „einmaligen erschreckenden Aussetzer“. Von seinen Kameraden sei der junge Mann gleichwohl als zuverlässiger und guter Soldat beschrieben worden.