Weniger Kinder, mehr Ältere, steigende Lebenserwartung - die Schlagwörter für den rasanten demografischen Wandel sind nicht neu. In seiner jüngsten Bevölkerungsprognose hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden diese Entwicklung jetzt durch Zahlen untermauert. Und die klingen dramatisch. Seit 2003 nimmt die Bevölkerung in Deutschland stetig ab. Für 2050 erwarten die Wissenschaftler zwischen 69 und 74 Millionen Einwohner. Das wären fast 14 Millionen weniger als heute. Auch unter optimistischen Annahmen sei der Rückgang der Bevölkerung nicht mehr aufzuhalten, resümiert der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Walter Rademacher.
Zwar werden die Menschen immer älter. In ihrer Basisannahme gehen die Wissenschaftler bis zum Jahr 2050 von einem Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung um 7,6 Jahre bei Männern und 6,5 Jahre bei Frauen aus. Das wären dann 83,5 beziehungsweise 88,0 Jahre. Weder dieser Trend noch eine große Zahl von Zuwanderern können jedoch das zentrale Problem lösen: die sinkenden Geburtenzahlen. Bei der niedrigen Geburtenhäufigkeit von etwa 1,4 Kindern je Frau, die bereits seit drei Jahrzehnten besteht und sich nach Einschätzung der Experten kaum zum Besseren wandeln wird, fällt jede Generation kleiner aus als die ihrer Eltern, die ihrerseits schon kleiner ist als die der Großeltern. Daraus resultieren zwei Effekte: Die Bevölkerung schrumpft und ihre Altersstruktur wird langfristig auf den Kopf gestellt. 2050 wird jeder dritte Deutsche 65 Jahre und älter sein. Heute ist es jeder fünfte. Das Durchschnittsalter liegt dann bei 50 Jahren. Heute sind es 42 Jahre.
In den neuen Bundesländern kommt noch ein besonderer Umstand hinzu: "Das Geburtendefizit wird von der Abwanderung in den Westen überlagert", sagt Sachsens Regierungschef Georg Milbradt (CDU). Durch diese verschärfte Situation ist der Osten gewissermaßen demografischer Vorreiter für den Rest der Republik. So weist der Freistaat schon heute einen Altersdurchschnitt von 44,4 Jahren auf. Es ist der höchste unter allen Bundesländern. Zwischen Oberlausitz und Vogtland stehen 400 000 Wohnungen leer. Vor 16 Jahren hatte Sachsen fünf Millionen Einwohner. 2020 dürften es nur noch 3,8 Millionen sein. Vor zwei Jahren hat Milbradt deshalb eine Expertenkommission ins Leben gerufen. Ihr Abschlussbericht über Handlungsmöglichkeiten für den Bevölkerungsschwund soll heute auf einem "Demografiegipfel" in Dresden vorgestellt werden, an dem auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) teilnimmt. Nach Überzeugung Milbradts müssen alle Investitionen schon jetzt den demografischen Veränderungen Rechnung tragen.
Allein mit dem Abriss von Wohnungen ist es nicht getan. Denn der Rückbau hat auch Konsequenzen für die technische Infrastruktur. Niedrigere Einwohnerzahlen bedeuten zum Beispiel geringere Durchflussmengen in den Trinkwassernetzen. Um schädliche Ablagerungen zu verhindern, müssen die Wasserversorger große Rohre durch kleinere ersetzen. Auch im Fernwärmebereich kommt es bei weniger Abnehmern zu drastischen Verlusten in den Leitungen. In Modellregionen wie dem westlichen Erzgebirge wird denn auch schon erprobt, wie sich eine Kommune "intelligent" gesund schrumpfen kann.