Dabei gilt es als ausgemachte Sache, dass der Vorsitzende der liberalen Partei und bisherige Bürgermeister der Stadt Luxemburg, Xavier Bettel (40), neuer Premierminister des Großherzogtums wird.

Mit der neuen rot-blau-grünen "Gambia"-Regierung (in Luxemburg sind die Liberalen die Blauen) endet die Ära von Regierungschef Jean-Claude Juncker (58). Nach fast 19 Jahren als Premier wechselt er im Parlament die Seiten und wird mit seiner Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV) Oppositionsführer. "Er freut sich auf seine neue Aufgabe", sagte ein Sprecher der luxemburgischen Regierung. Auch für Juncker ist es Neuland: Er war noch nie Abgeordneter.

Die Koalitionäre gingen flott ans Werk: In zwölf Plenarsitzungen und in acht Arbeitsgruppen haben sie im Eiltempo ein Paket geschnürt, das frischen Wind nach Luxemburg bringen soll. Vieles hat sich das Trio auf die Fahnen geschrieben: Die Modernisierung des Staates, einen ausgeglichenen Haushalt bis spätestens 2018, mehr Bürgerbeteiligung durch Referenden und eine Neuausrichtung des bisher sehr engen Verhältnisses zwischen Staat und Kirche.

Einfach wird das nicht, denn die Krise hat auch Luxemburg erreicht: Die Arbeitslosigkeit steigt, die Staatsverschuldung nimmt zu und das großzügige Rentensystem gerät unter Druck. Auch bezahlbarer Wohnraum wird im zweitkleinsten Land der EU immer knapper. Es sei daher ein "ehrgeiziges Koalitionsabkommen", das die Arbeitsagenda für die nächsten fünf Jahre im Detail festlege, sagte Bettel. Mögliche Knackpunkte zwischen den drei Parteien hatte das Führungspersonal schon vor den eigentlichen Verhandlungen in Sondierungsgesprächen ausgeräumt.