Seine Hoffnung, nicht ins Gefängnis zu müssen, wird durch die Entscheidung der Zweiten Großen Strafkammer des Cottbuser Landgerichtes zerstört. Angesichts des Umfangs der nachgewiesenen Taten und der verschiedenen Lebensbereiche, in denen sie stattfanden, sei Bewährung nicht mehr möglich, so der Vorsitzende Richter Stefan Fiedler am Donnerstag.

Von den zwei Jahren und zehn Monaten Haft, die wegen Untreue, Betrugs und anderer Delikte gegen den ehemaligen Rechtsanwalt verhängt werden, sollen vier Monate jedoch als bereits verbüßt gelten, weil die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sich unangemessen in die Länge zogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, vermutlich wird Jörg F. in Revision gehen.

Es waren meist ehemalige Mandanten, die der 42-Jährige aus dem Spree-Neiße-Kreis mit seinen kriminellen Taten schädigte. Dabei ging es manchmal nur um dreistellige Summen, doch dass er das besondere Vertrauen dieser Menschen gegenüber einem Anwalt missbraucht habe, sei verwerflich, so Fiedler: “Es ist schlimm, wenn Menschen mit ihren Problemen zu einem Anwalt gehen und dann dort auch noch ihr Geld verlieren.„

Seit Oktober vorigen Jahres hatte das Gericht gegen Jörg F. insgesamt neun miteinander verbundene Anklagen verhandelt. Nicht alle Tatvorwürfe, die bis 2004 zurückreichten, erwiesen sich als richtig und nachweisbar. Doch was nach Überzeugung des Gerichtes übrig blieb, zeigt das Bild eines Anwaltes, der finanziell nicht über die Runden kam und deshalb Mandantengeld in die eigene Tasche gesteckt hat.

Das sei ohne großen Plan nach einem einfachen Muster geschehen. Zahlungen von Versicherungen, Unterhalt oder andere für die Mandanten erstrittene Forderungen wurden von dem Anwalt für private Zwecke ausgegeben. Wenn Mandanten hartnäckig ihr Geld forderten, wurden sie vertröstet oder plötzlich mit hohen Gebührenrechnungen konfrontiert.

Als besonders schlimmes Beispiel hebt Richter Stefan Fiedler in der Urteilsbegründung den Fall einer schwer verunglückten Frau hervor, die Jörg F. vertrat. Die Versicherung zahlte einen Abschlag von 10 000 Euro, um die notwendige Pflege der Schwerverletzten zu organisieren. Jörg F. gab auch dieses Geld privat aus und konfrontierte die Angehörigen später mit einer völlig überhöhten Rechnung, um das einbehaltene Geld damit zu “verrechnen„ und nicht zahlen zu müssen. “Man muss sich das vorstellen, erst so ein schwerer Unfall und dann so einem Anwalt in die Hände fallen„, so der Vorsitzende Richter. Als ähnlich verwerflich bezeichnete er es, dass der Angeklagte die leichte Verwirrtheit einer Mandantin ausgenutzt habe, um eine fünfstellige Summe von ihr einzukassieren.

Jörg F. vergriff sich laut Urteil nicht nur an Mandantengeld, sondern auch am Vermögen einer kleinen Firma in Vetschau, die er “ausbluten lie߄, indem er private Rechnungen vom Firmenkonto beglich. Dass er einem ehemaligen Mandanten noch Geschäftsanteile der schon überschuldeten Firma für 40 000 Euro verkaufte, wertete das Gericht als Betrug .

Zur Höhe der Gesamtstrafe trug jedoch in erheblichem Maße ein schwerer Verkehrsunfall bei, den Jörg F. vor einem Jahr im Spree-Neiße-Kreis verursacht hatte. Sturzbetrunken hatte er nachts bei strömendem Regen in einer Kurve überholt und war mit seinem Mercedes in das entgegenkommende Auto einer jungen Frau gerast. “Sie hatte keine Chance auszuweichen und Glück, dass sie überhaupt überlebt hat„, machte Richter Stefan Fiedler in der Urteilsbegründung deutlich. Neben der Haft verhängte das Gericht gegen Jörg F. eine dreijährige Führerscheinsperre und drei Jahre Berufsverbot.

Die Verurteilung von Jörg F. wirft auch ein kritisches Licht auf die berufständische Kontrolle durch die Anwaltskammer. Im Prozess hatte sich herausgestellt, dass der Jurist seit Frühjahr 2005 pleite war und eine wichtige Voraussetzung für den Anwaltsjob, geordnete finanzielle Verhältnisse, nicht mehr vorweisen konnte. Seine Zulassung gab er erst Ende 2009 ab, freiwillig.