„Ich habe heute Morgen bei meinen Eltern und meiner Schwester angerufen, allen geht's gut“, erzählt die Cottbuserin Marina Lewandrowski. Die Mitarbeiterin im Akademischen Auslandsamt der Hochschule Lausitz hat den Großteil ihrer Verwandtschaft in Moskau, mehr als 30 Personen. Ihr Schwager ist dort Chirurg in einem Militärkrankenhaus, in dem einige der Anschlagsopfer behandelt werden. Ihr Neffe fahre täglich mit der U-Bahn zur Universität und steige in einer der beiden betroffenen Haltestellen um.

Marina Lewandrowski ist bestürzt über diesen „grausamen Anschlag“. Es ist in Moskau nicht der erste nach dem Ende der Sowjetunion. In einem Musiktheater und mehrmals in der U-Bahn gab es in der Hauptstadt bereits Anschläge. „Russland“, deutet sie ein Gefahrenpotenzial an, „hat viele Minderheiten, Religionen und Kulturen.“

Die ganze Hochschule schaue besorgt nach Moskau, so die Frau vom Akademischen Auslandsamt. Es bestünden Beziehungen zum energetischen Institut dort und zur Universität für Geodäsie und Kartografie. Lehrkräfte und Studenten der Hochschulen besuchten sich gegenseitig. Vergangene Woche war ein Professor des energetischen Instituts in Cottbus.

Marina Lewandrowski werde auch künftig zwei, dreimal im Jahr nach Moskau reisen und den Kontakt zu ihrer Familie pflegen. „Man darf sich von solchen Anschlägen nicht einschüchtern lassen.“ Ihre nächste Reise ist für Mai geplant. Dabei bleibe es.

Auch Ingo Claus aus dem Landkreis Elbe-Elster versucht, gelassen zu bleiben. Seit 2002 arbeitet er in Moskau als selbstständiger Unternehmer, von 2006 bis 2009 war der 35-Jährige ununterbrochen dort, seither pendelt er zwischen Moskau und seiner neuen Heimat Hamburg.

Claus hat gestern sofort Kollegen und Bekannten in Moskau gemailt. „Keinem ist was passiert.“ Die Metro biete sich für terroristische Angriffe an, erklärt er. Etwa neun Millionen Menschen nutzten sie täglich, eine halbe Million Nutzer seien ständig im Moskauer U-Bahnnetz unterwegs. Das Risiko, Opfer eines Attentats zu werden, halte er für eher gering. Trotzdem fährt in der U-Bahn bei ihm immer der Gedanke mit, „was wäre wenn . . .“