Kleinkinder haben in Berliner Kitas noch immer vergleichsweise schlechte Betreuungsbedingungen. Eine Erzieherin ist für fast sechs Kinder unter drei Jahren verantwortlich. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Ländervergleich zu frühkindlichen Bildungssystemen der Bertelsmann Stiftung hervor.

Damit bleibt Berlin deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt mit einem Personalschlüssel von 1 zu 4,4. Bei den älteren Kindergartenkindern dagegen steht die Hauptstadt vergleichsweise gut da: Eine Erzieherin kümmert sich im Schnitt um 8,8 Kinder - bundesweit sind es 9,5. Verglichen wurden Daten mit Stichtag 1. März 2014.

In den ostdeutschen Bundesländern müssen sich Erzieher den Daten zufolge generell um deutlich mehr Kinder kümmern als im Westen. Dafür würden hier aber auch mehr Kita-Plätze angeboten, hieß es. Die Stiftung sprach sich für bundeseinheitliche Qualitätsstandards in der Kindertagesbetreuung aus.

In Wahrheit sei das Betreuungsverhältnis noch schlechter als die Zahlen vermuten ließen, erklärte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. In dem Personalschlüssel seien Ausfallzeiten, Zeiten für Elterngespräche und Fortbildung nicht berücksichtigt. „Wir beklagen in Berlin einen großen Fachkräftemangel, doch die Arbeitsbedingungen für Erzieher sind nicht attraktiv“, kritisierte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann.

Er forderte ein Qualitätsgesetz, in dem Personalschlüssel und Zeitbudgets für die pädagogische Arbeit festgeschrieben seien. Das Berliner Kitabündnis verlangte mehr Geld für die Bildungsverwaltung im Haushalt 2016/17. Nur so könnten Erzieher eingestellt und die Personalschlüssel verbessert werden.