Neben den stationären Angeboten gibt es in Sachsen noch 32 ambulante Hospizdienste, die Kranke und Sterbende zu Hause betreuen. "Dieser Bereich entwickelt sich noch", sagte Schreiber. Weiße Flecken gibt es beispielsweise im Landkreis Delitzsch und im Raum Torgau-Oschatz.

Unterschiedliche Akzeptanz
"Vor allem in den ländlichen Regionen können wir wegen der langen Wege den Bedarf nicht decken." Auch die Akzeptanz von Hospizangeboten ist unterschiedlich. "Es gibt Hospize, die haben regen Zuspruch, und es gibt kleinere Dienste, wo das noch wachsen muss. Es gibt da mitunter eine Hemmschwelle. Es handelt sich ja schließlich um die letzte Lebensphase."
Die Situation in Sachsen entspricht der in anderen neuen Bundesländern. "Im Osten gibt es deutlich weniger Hospiz-Einrichtungen als im Westen, sowohl ambulant als auch stationär", sagte die wissenschaftliche Referentin bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz, Christine Pfeffer. "Der Osten holt auf, liegt aber noch weit hinter Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Der Gedanke ist ja, dass die Menschen wohnortnah versorgt werden."
In Westdeutschland sind bei der Bundesarbeitsgemeinschaft 960 Einrichtungen Mitglied, im Osten 112. Im vergangenen Jahr wurden 54 000 Menschen in Deutschland und 1500 in Sachsen von Hospizdiensten, Hospizen und Palliativstationen der Krankenhäuser begleitet. Letztere kümmern sich um lebensbedrohlich erkrankte Menschen, unter anderem durch eine genau abgestimmte Schmerztherapie.
Bei Befragungen äußerten 95 Prozent der Bevölkerung, zu Hause sterben zu wollen. Die Wirklichkeit ist eine andere: 70 Prozent sterben in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Der Vorsitzende der LAG Mecklenburg-Vorpommern, Wolf Diemer: "Deutschland ist in der Hospiz-Versorgung das Schlusslicht in Europa." Bei stationären Angeboten gebe es immer wieder Wartelisten. Die Deutsche Hospiz Stiftung sieht die Situation ähnlich. "Die Versorgung in den neuen Bundesländern ist nicht ausreichend", beschreibt der Geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch, die Situation. "Das ist sie im Westen aber auch nicht."

1000 Helfer im Freistaat
Wichtig ist vor allem die Arbeit der mobilen Hospizdienste - und auch die Einsatzbereitschaft freiwilliger Helfer. Bundesweit engagieren sich rund 85 000 Ehrenamtliche in Hospizeinrichtungen, davon 3500 im Osten und fast 1000 in Sachsen. Die Hinführung zu einer professionellen Sterbebegleitung dauert immerhin ungefähr ein Jahr. "Hospizarbeit ist im eigentlichen Sinn ehrenamtliche Arbeit. Wir wollen dem Menschen das Sterben zu Hause ermöglichen. Erst wenn das nicht möglich ist, wird das stationäre Hospiz gebraucht. Es gibt unter diesen auch welche, wo Verwandte beispielsweise dort mit übernachten können."
Die Ehrenamtlichen setzen sich nach Beobachtung Schreibers im Osten anders zusammen als im Westen. "Im Westen hilft typischerweise die Frau um die 50, die zu Hause ist", beschreibt sie ihre Erfahrungen. "Im Osten gibt es unter den Ehrenamtlichen auch viele Jüngere und Leute, die das noch neben ihrem Beruf machen."