Herzlichen Glückwunsch! Sie sollen zum Wahlkampf-Team des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steimeier gehören. (Eva-Maria Stange lacht) Es gibt halt nicht so viele Frauen in meinem Fachgebiet.Hat der SPD-Kanzlerkandidat in spe schon angerufen? Kein Kommentar. Nur soviel: Ich fühle mich geehrt. Was erwarten Sie vom Bildungsgipfel, den Kanzlerin Angela Merkel in Dresden ausrichtet? Meine Erwartungen sind nicht sehr hoch, weil bisher überhaupt nicht klar ist, was dabei herauskommen soll.Welche Wünsche haben Sie? Auf jeden Fall muss vereinbart werden, wie der bundesweite Hochschulpakt nach 2010 fortgesetzt wird. Es muss klar sein, wie viele neue Studienplätze für den im Westen anfallenden Abiturientenberg geschaffen werden sollen - ich gehe von rund 200 000 Plätzen bis 2015 aus. Die aktuelle Summe im laufenden Hochschulpakt von 600 Millionen Euro müsste dafür mindestens verdreifacht werden. Solche Aussagen würden den Ländern Planungssicherheit geben und Sachsen könnte seine Studienkapazitäten weiter vorhalten. Es gibt bereits einen Konzeptentwurf für die "Qualifizierungsinitiative". Was ist das Papier wert? Bisher ist das ein Rundumschlag von der Kita bis zur Weiterbildung. Aber er enthält kaum finanzielle Zusagen und Kompetenzzuweisungen. So will Angela Merkel, dass mehr beruflich Qualifizierte einen Zugang zu Hochschulen bekommen. Im Papier steht dazu aber wenig konkretes, weil eine Einigung mit Ländern wie Bayern sehr schwierig ist.Welchen Beitrag können die Länder selbst leisten? Die Ost-Länder sollten den demographischen Rückgang bei den Studienanfängern nutzen, um die Qualität der akademischen Ausbildung zu verbessern, statt die Hochschulen zurückzufahren. In Sachsen gehen die Abiturientenzahlen um 40 Prozent zurück. Wir sollten aber nicht parallel dazu Personal abbauen und Standorte schließen, sondern die Betreuung verbessern. Deutschlandweit sprechen wir von acht Milliarden Euro bis 2015 als Beitrag der Länder. Und ich erwarte, dass der Bund ebenfalls ein klares Bekenntnis ablegt. Zur Gegenfinanzierung hat ihr Parteifreund, Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn, Steuererhöhungen vorgeschlagen. Das halte ich für Unsinn. Wir haben bereits höhere Steuermehreinnahmen und eine höhere Mehrwertsteuer. Mit dem Geld müssen wir die richtigen Prioritäten setzen. Haben Sie für Ihre Wünsche Rückdeckung des Ministerpräsidenten? Es gibt die Aussage, dass Bildung oberste Priorität im Land hat. Auf der Agenda steht auch die Landes-Vereinbarung, die Sachsens Hochschulen bis 2010 finanzielle und personelle Sicherheiten bietet. Wie soll es danach weitergehen? Die Vereinbarung sollte für die Zeit bis 2015 weiterentwickelt werden. Die Hochschulen brauchen Planungssicherheit und eine Antwort auf die Frage, ob wir weiter Stellen abbauen. Vieles hängt dabei auch vom Erfolg des Bildungsgipfels ab. Es gibt den Hochschulpakt, Spitzenforschungsprogramme, Exzellenzwettbewerbe. Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht? In der Tat fließt bereits sehr viel Geld. Aber Forschung muss permanent neue Innovationen schaffen, das erfordert neue Investitionen. Gerade zurzeit erlebe ich eine Explosion von Entwicklungen in der Materialforschung, die dringend mehr Kapazitäten benötigen. Wir haben aber in Sachsen keine Wirtschaft, die wie in Baden-Württemberg oder Bayern drei Viertel der Forschungslast trägt. Hier muss der Staat die größten Lasten tragen. Und wir sind noch lange nicht beim Anteil von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, den wir für Forschung bereitstellen wollen. Die CDU-Fraktion streitet über 20 Millionen Euro mehr für Spitzenforscher. Wer hat Ihre Solidarität? Die Idee ist nicht neu. Ich fordere seit geraumer Zeit einen Forschungsfonds, um Großgeräte und Gebäude, Spitzenforscher und neue Projekte zu finanzieren. Denkbar wären 200 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre. Wenn wir etwa in der Mikroelektronik weiter mithalten wollen, müssen wir die besten Köpfe herholen. Das geht nicht zum Nulltarif. Das Hochschulgesetz ist noch immer in der Pipeline. Ihre Fraktion und einige Sachverständige verlangen dringend Änderungen. Ich bin optimistisch, dass dem Rat der Sachverständigen gefolgt wird, gerade bei den demokratischen Mitwirkungsgremien. Denkbar wäre, dass der Rektor durch ein größeres Gremium wie einen erweiterten Senat gewählt wird und dass man den Hochschulen mehr Raum zur Erprobung neuer Wege einräumt. Die Entscheidung liegt jetzt aber im Landtag. Mit EVA-MARIA STANGEsprach Sven Heitkamp