Löbnitzer Bikertreffens, das vom motorradbegeisterten Pfarrer der Gemeinde, Fritz Mühlmann, zum 1025-jährigen Bestehen seines Heimatortes mitorganisiert wurde. Mehr als 150 Motorradfans aus der Region nahmen daran teil.
Der Pfarrer trat in schwarzer Biker-Montur vor die mehr oder weniger gläubigen Motorradfans und predigte von einem Open-Air-Altar, den man gemeinhin als Showbühne bezeichnen würde. Statt einer Orgel spielte die Rockband "Cobbled Pavement". Zur Begrüßung gab es anstelle von Glockengeläut das in Insiderkreisen beliebte Einläuten. Dabei heulen die Motoren der Maschinen auf - erst die mit den geringsten PS-Zahlen, gefolgt von den stärkeren, bis zum Schluss sämtliche Biker alles an Motorenlärm herausholen, was ihre "heißen Öfen" hergeben.
Fast immer, wenn es in Sachsen oder anderswo in Deutschland einen Bikergottesdienst gibt, ist Roberto Jahn dabei. Er ist der einzige Biker-Seelsorger des Freistaats und zelebrierte in Löbnitz den Open-Air-Gottesdienst, der nicht nur Motorradfans begeisterte. Auch die Löbnitzer Gemeindemitglieder waren äußerst angetan von dem, was auf der Bühne neben ihrer Kirche passierte.
Dem Einläuten mit Motorengeräuschen folgten einige Rocksongs. Dann interviewte Pfarrer Mühlmann den Löbnitzer Motorradfan Ralf Simon. Dieser ist seit 35 Jahren enthusiastischer Biker und hat diese Begeisterung nach eigenem Bekunden "mit der Muttermilch" aufgesogen. Auch seine Eltern seien schon diesem "Virus" verfallen gewesen. Simon machte den Betroffenen wenig Hoffnung auf Heilung: "Wer den einmal in sich hat, wird wahrscheinlich mit dem Ding umfallen."
Die meist mit schwarzem Leder-Outfit bekleideten Motorradfans genossen das ideale Biker-Wetter und erfreuten sich an dem, was der flippige Pfarrer Jahn ihnen auf der Bühne bot. In seiner Predigt erzählte dieser Geschichten über Jesus, wie die meisten Zuhörer sie sicher noch nicht gehört hatten. "Nazareth liegt in Israel und ist ein Kuhnest", begann Jahns Biker-Version der biblischen Geschichte. Immer wieder war darin vom unvergleichlichen Fahrgefühl auf zwei Rädern die Rede, bevor der Seelsorger zu dem Schluss kam: "Jesus war kein Biker. Vielleicht wäre er heute einer." Leider aber, so werde es überliefert, soll der Sohn Gottes nur auf einem Esel unterwegs gewesen sein, was natürlich nicht mit dem Fahrspaß auf einem Motorrad zu vergleichen sei.
Bei dem Gottesdienst gedachten die Biker der Gleichgesinnten, die in der vergangenen Zeit bei Motorradunfällen ums Leben gekommen waren. Vielleicht, so stellte Motorradfan Simon fest, fordere ein gläubiger Biker seinen Schutzengel nicht in jeder Kurve heraus. Wie ein Psalm in die Bikersprache übersetzt klingt, demonstrierte ein junger Mann, der einen solchen religiösen Spruch in sehr abgewandelter Form präsentierte. Darin hieß es unter anderem: "Der Herr ist meine zweite Kombi. Er wird mich auf meinen Fahrten beschützen."
Wie es sich für einen Gottesdienst gehört, wurde auch in Löbnitz Geld gesammelt - für die Finanzierung des Treffens und die Instandsetzung des Löbnitzer Kirchturms. Die Kollekte wurde dem Anlass angemessen in Motorradhelmen zusammengetragen.