Der Freistaat wolle dem deutschen Ableger des internationalen Glücksspielkonzerns Betandwin bis spätestens heute die Konzession entziehen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" gestern. In Abstimmung mit den anderen Bundesländern solle so das staatliche Wettmonopol geschützt werden. Bet and win kündigte an, vom Land Sachsen 500 Millionen Euro Schadenersatz einfordern und das Staatsmonopol per Internet weiter unterlaufen zu wollen.
Das Innenministerium in Dresden will dem österreichischen Glücksspielkonzern mit deutschem Sitz in Neugersdorf, der sich derzeit in bwin umbenennt, offenbar auch verbieten, über das Internet Wetteinsätze aus Deutschland anzunehmen. Bet and win ist der größte Privatanbieter von Sportwetten in Deutschland und operiert mit einer Gewerbeerlaubnis aus DDR-Zeiten.
In Deutschland hat das an der Wiener Börse notierte Unternehmen rund eine Million Kunden, die für jährlich rund 500 Millionen Euro auf den Ausgang von Fußballspielen und anderen Sportereignissen tippen. Damit hat betandwin die staatliche Sportwette Oddset abgehängt, in der die Lotto- und Totogesellschaften der 16 Bundesländer vereint sind: Diese rechnet nach Angaben der Zeitung in diesem Jahr mit 350 Millionen Umsatz.
Die Bundesländer berufen sich in ihrem Vorgehen gegen die privaten Sportwetten auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Dieses hatte im März das staatliche Wettmonopol für grundsätzlich zulässig erklärt, allerdings nur unter Auflagen. So müssen die Länder dafür sorgen, dass die Bürger vor der Spielsucht geschützt werden. Die Länder kündigten daraufhin eine Neuordnung der Oddset-Wetten an, zugleich aber auch die Schließung der privaten Wettbüros. Bremen und Bayern verboten Betandwin bereits die Werbung.
Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Norbert Teufelberger, nannte den offenbar geplanten Konzessionsentzug einen Akt der "Willkür". Offenbar sollten zum Start der Fußball-Bundesliga die Geschäfte seiner Firma gestört werden. Das Verbot verstoße zudem gegen europäisches Recht, kritisierte Teufelberger. Betandwin werde via Internet und auf Grundlage einer Lizenz aus Gibraltar weiter Wetten aus Deutschland annehmen.
An der Frankfurter Börse brach die Betandwin-Aktie gestern zeitweise um mehr als 26 Prozent ein. (AFP/roe)