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Beste Junior-Tüftler Brandenburgs ermittelt

Windräder der Zukunft: Niels Bracher, Peter Hilgenfeld und Robert Schurmann (v.l.) erforschen innovative Oberflächen für Rotorenblätter.
Windräder der Zukunft: Niels Bracher, Peter Hilgenfeld und Robert Schurmann (v.l.) erforschen innovative Oberflächen für Rotorenblätter. FOTO: Anja Maria Lehmann
Schwarzheide. Sechs junge Forscher werden Brandenburg beim Bundesfinale "Jugend forscht" im Mai in Ludwigshafen vertreten. Unter dem Motto "Es geht wieder los" wurden am Mittwoch im Kulturzentrum der BASF Schwarzheide die Sieger im 25. Landeswettbewerb ermittelt. Anja M. Lehmann /

Am Anfang jeder Innovation stehe eine Idee, erklärte Karl Heinz Tebel, Vorsitzender der Geschäftsführung BASF Schwarzheide. "Mit einer Idee fängt es an, doch oft unstrukturiert. Die Idee zu strukturieren ist die besondere Leistung, die ihr erbringt", lobte Tebel die 61 Teilnehmer, darunter 19 junge Forscherinnen. Ein Rekord.

Mit Nagellack zum Sieg
Eva Wellmer (12) und Judith Löcke (14) punkteten mit einem typischen Mädchenthema: "Welcher Nagellack für unsere Fingernägel?" Zur Durchführung von Testreihen entwickelten die beiden Jungforscherinnen vom coolMINT.forscht Paderborn eigens eine Maschine - und überzeugten die Fachjury aus Pädagogen, Wissenschaftlern und Unternehmern im Fachgebiet Arbeitswelt. Neben der Qualifikation für das Bundesfinale "Jugend forscht" vom 26. bis 30. Mai in Ludwigshafen durften sich die beiden Girlies über ein Preisgeld von 250 Euro freuen, gestiftet vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Den zweiten Platz in der Kategorie Arbeitswelt belegten die BASF-Azubis Franziska Görick (21) und Paul Klante (22) mit einem Modell zur Arbeitssicherheitsunterweisung. Das Nachsehen hatten Robert Schurmann (17), Niels Bracher (17) und Leonardo Hübscher. Die Schüler vom Max-Steenbeck-Gymnasium Cottbus präsentierten ein Konzept zur Integration von Handys als Arbeitsmittel für den Unterricht. Für ihr Projekt "Smartphones als Experimentierinterface im Schulleben - Unterricht der Zukunft?" wurden die drei mit dem Sonderpreis Mobilfunk des Informationszentrums Mobilfunk (IZMF) geehrt.

Umweltthemen räumen ab

"Wir versinken im Müll", stellten Christin Juhn (18) und Amélie Krengel (18) fest. In ihrem Projekt erforschten die beiden Schülerinnen vom Emil-Fischer-Gymnasium Schwarzheide, ob kompostierbare Polymere zur Lösung des Müllproblems beitragen könnten.

Ebenfalls mit einem Umweltthema befasste sich Alexander Rotsch (18) vom Louise-Henriette-Gymnasium Oranienburg. Der Abiturient untersuchte den Einfluss verschiedener Lichtspektren auf die Bildung von pflanzlichen Inhaltsstoffen und gewann damit im Fachgebiet Biologie. Die Jury würdigte seine "hervorragende Leistung" mit dem Sonderpreis des Brandenburgischen Ministerpräsidenten.

Ebenso "sehr gute Chancen" für das Bundesfinale prognostizierte die Jury Anton Bosse (16) und Marvin Arnold (18) vom Gymnasium "Carl Friedrich Gauß" Frankfurt (Oder). Die beiden entwickelten eine Software zur Ermittlung, Prüfung und Visualisierung von Primzahlen und setzten sich damit in der starken Konkurrenz Mathematik/Informatik durch. Neben dem Preisgeld freuten sich die beiden besonders über die Einladung zur Fraunhofer-Talent-School 2015.

Bereits seit 2013 tüfteln Georg Eichler (12) und Stefan Herwig (12) an ihrem Projekt. Die beiden Junior-Wissenschaftler vom Max-Steenbeck-Gymnasium Cottbus haben sich gefragt, ob Gips nicht die Grundlage für andere Werkstoffe bilden könnte. "Wir haben festgestellt, dass Gips vielerorts als Reststoff abfällt. In Kooperation mit der BTU haben wir getestet, ob Gips in Verbindung mit Spülmittel oder mit Aluminium versetzt nicht als Baustoff für tragende Elemente eingesetzt werden kann", so Georg Eichler. Das Ergebnis: "Die Aluminium-Verbindung hält Kräfte bis zu 1,3 Tonnen aus. Aber insgesamt ist der Baustoff zu weich." Der Sonderpreis des Schwarzheider Bürgermeisters tröstete darüber hinweg, dass es noch nicht für eine Platzierung gereicht hat.

Roboter schlägt Rotoren

Untröstlich hingegen waren Robert Schurmann (17), Peter Hilgenfeld (18) und Niels Bracher (17), ebenfalls vom Steenbeck-Gymnasium. Mit ihren Analysen zur Wirkungssteigerung von Vertikalrotoren belegten sie im Fachgebiet Technik den zweiten Platz. Bereits 2013 hatten sie bei "Jugend forscht" das Modell eines Windkraft-Propellers vorgestellt. "Seither ist viel Freizeit für die Weiterentwicklung draufgegangen", so Peter Hilgenfeld.

Doch den Sieg holte sich Tim Grutzeck (17). Der Schüler vom Marie-Curie-Gymnasium Hohen Neuendorf präsentierte einen spinnenartigen Roboter, mit dem unzugängliche Kanäle erkundet werden können. Für die sechs-füßige Konstruktion aus X-Box und Mini-Computer sowie die zugehörige Software wurde er mit dem Sonderpreis des VDE Bezirksvereins Lausitz geehrt. Als Auszeichnung für das beste interdisziplinäre Projekt im diesjährigen Landeswettbewerb darf Tim Grutzeck demnächst ein Forschungspraktikum am IHP Institut für innovative Mikroelektronik in Frankfurt (Oder) absolvieren. Die Freude stand dem Schüler ins Gesicht geschrieben: "Ich habe mir schon Chancen ausgerechnet, aber bin einfach froh, dass ich es jetzt geschafft habe."

Zum Thema:
In Sachsen wurden die Sieger des Landeswettbewerbs "Jugend forscht" bereits in der vergangenen Woche ermittelt. Auf dem Programm standen Workshops zu Präsentationstechniken, eine intensive fachliche Auseinandersetzung mit den Forschungsprojekten sowie die abschließende Präsentation vor einer Jury aus Pädagogen, Wissenschaftlern und Unternehmern. Höhepunkt war eine festliche Preisverleihung im Beisein von Vertretern der Stadt Leipzig, des Freistaates und der Patenunternehmen Global foundries Dresden, Siemens Deutschland und BMW im Werk von BMW in Leipzig. Die Sieger des Landeswettbewerbs "Jugend forscht" 2015 in Sachsen: Im Fachgebiet Biologie wurden zwei erste Preise vergeben. Sebastian Ronneberger (18) aus Leipzig sowie Frank Köhler (19) aus Dresden überzeugten die Jury. Ebenfalls zwei erste Plätze gab es im Gebiet Mathematik/Informatik, diese belegten Oliver Klöckner (19) aus Chemnitz und Frithjof Winkelmann (17) aus Radeberg. Die Chemnitzer Richard Neubert (18) und Marc Päßler (18) belegten den ersten Platz im Fachgebiet Chemie. Valentin Lux (17) aus Meißen siegte im Fachgebiet Physik, der Leipziger Willi Zschiebsch (18) im Fachgebiet Technik. Er wurde mit dem Sonderpreis des Sächsischen Wirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Den Preis des Sächsischen Kultusministeriums erhielt Pauline Hennig (18) vom Gymnasium Burgstädt.