Brandenburger mit Handicap haben auf dem Arbeitsmarkt wieder bessere Chancen. Wie die Bundesagentur für Arbeit in Berlin mitteilte, ist die Zahl Schwerbehinderter, die einen Job suchen, seit Jahren rückläufig. So waren vor sieben Jahren noch fast 8000, vor drei Jahren schon unter 7000 und im vergangenen Jahr noch gut 6300 Schwerbehinderte ohne Arbeit. Parallel dazu steigen die Beschäftigungszahlen, teilt Agentursprecher Olaf Möller mit.

"Aktuell ist der Arbeitsmarkt in guter Verfassung", sagt er. Die Unternehmen suchten wieder mehr Personal, auch gut ausgebildete Fachkräfte mit einer Behinderung hätten da bessere Chancen. Nach Angaben des Landesintegrationsamtes gibt es in Brandenburg mehr als 325 000 Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent. "Obwohl die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen immer noch höher ist als bei Menschen ohne Behinderungen, haben Schwerbehinderte zunehmend bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Brandenburg", sagt eine Mitarbeiterin des Amtes.

"Vor allem bei langzeitarbeitslosen Schwerbehinderten liegt es selten an ihrer eigentlichen Behinderung, sondern vielmehr an ihrer tatsächlichen Qualifikation und den vorzuweisenden Erfahrungen, wenn sie bei Bewerbungen nicht in die engere Auswahl kommen", sagt die Vorsitzende des Landesbehindertenverbands, Andrea Peisker. Häufig hätten nichtbehinderte Bewerber deshalb die Nase vorn, weil sie eine bessere, aktuellere oder auch breitere Qualifikation vorweisen könnten sowie zeitlich flexibler oder auch mobiler seien.

Noch immer Vorurteile

Größtes Problem bleiben Olaf Möller zufolge aber Vorurteile gegenüber schwerbehinderten Menschen. Arbeitgeber hätten Sorge vor zu viel Bürokratie und zusätzlichem Aufwand. "Dabei bereichern gerade Menschen mit Handicap die Unternehmen und Teams", sagt Möller. Sie arbeiteten verantwortungsvoll, eigenständig und brächten viel Motivation und Engagement mit. "Es bleibt wichtig, Arbeitgeber immer wieder auf die Talente von Menschen mit Behinderung hinzuweisen", erklärt der Sprecher.

Möllers Beobachtung teilt der Behindertenbeauftragte der Landesregierung, Jürgen Dusel. "Menschen mit Handicap bringen in der Regel eine hohe Sozialkompetenz und Motivation mit in den Betrieb", erklärt Dusel. Allein schon, weil sie wüssten, wie schwer manche Dinge zu handhaben sind.

Trotz allen Eifers, den diese Menschen im Berufsleben an den Tag legten, betont Dusel: "Handicap ist nun mal Handicap." Darauf müsse Rücksicht genommen werden. Er weiß, wovon er spricht: Von Geburt an ist er stark sehbehindert, kann notfalls noch Konturen erkennen. Trotzdem legte der heute 50-Jährige sein Abitur an einer normalen Schule ab und studierte danach Jura.

"Die Arbeitsagenturen unterstützen Betriebe, wenn sie schwerbehinderten Menschen eine Chance geben", sagt Olaf Möller. So helfe man Arbeitgebern mit Eingliederungszuschüssen und beteilige sich an der Ausstattung eines behindertengerechten Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes.

"Unsere Mitglieder äußern aber den Wunsch, dass der Mehraufwand besser ausgeglichen wird", bemerkt der Geschäftsführer des Verbandes kommunaler Arbeitgeber (KAV), Klaus Klapproth. "Jedes Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen hat auf fünf Prozent dieser Plätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen", heißt es vom Integrationsamt. Solange diese Quote nicht erfüllt werde, muss das Unternehmen für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz eine Ausgleichsabgabe an das Integrationsamt zahlen. Diese Einnahmen seien von rund 10,3 Millionen im Jahr 2011 auf 12,41 Millionen Euro im Jahr 2013 gestiegen.

Mehr Geld zur Verfügung

Hinzu kämen Säumniszuschläge, weil immer mehr Unternehmen nicht fristgerecht zahlten. Die Abgaben kommen laut Amt wiederum Unternehmen zugute, die Behinderte einstellten. "Das muss aber nicht heißen, dass Unternehmen verstärkt lieber Strafe zahlen, als Behinderte einzustellen", relativiert Jürgen Dusel die Zahlen. Vielmehr gebe es aufgrund der guten Konjunktur wieder mehr Unternehmen, die in den Topf einzahlten.

"Können Menschen aufgrund der Schwere ihrer Behinderung nicht alle Anforderung eines Handwerksbetriebes erfüllen, arbeitet die Handwerkskammer eigene Ausbildungsregelungen aus", erklärt die Sprecherin der Handwerkskammer Potsdam, Katja Wolf. Aktuell habe man spezielle Regelungen in den Bereichen Bürokommunikation, Metallbau, Holzverarbeitung Buchbinderei Fahrzeuglackierung geschaffen. "Bei uns gab es im vergangenen Jahr 16 neue Lehrlinge im Rahmen dieser Sonderregelungen", so Wolf.