"Aufgrund der aktuellen Vorwürfe und täglich neuer Hinweise gegen die Haasenburg kann ich es derzeit nicht verantworten, weitere Kinder und Jugendliche dort unterzubringen", so Münch.

Außerdem wurde drei namentlich bekannten Mitarbeitern, gegen die sich Misshandlungsvorwürfe richten, die Beschäftigung in den Haasenburg-Heimen vorläufig untersagt. Das Verbot soll bis zur Klärung der Vorwürfe dauern, um mögliche weitere Kindeswohlgefährdungen auszuschließen.

Derweil haben sich jedoch aktuelle Vorwürfe gegen die Haasenburg nach Befragungen von zwei weggelaufenen Jugendlichen nicht klar bestätigt. Das geht aus Mitteilungen der Hamburger Senatsverwaltung für Soziales und des Kreisjugendamtes Neunkirchen im Saarland hervor. Hamburg und Neunkirchen sind für zwei von drei Jungen zuständig, die in der vorigen Woche aus dem Heim in Neuendorf aus einer geschlossenen Unterbringung weggelaufen waren.

Der Junge aus dem Saarland hatte nach Angaben des zuständigen Jugendamtes bei einer persönlichen Befragung in der vorigen Woche ausdrücklich verneint, dass er in der Haasenburg misshandelt worden sei. Erst am Montag habe er dann gegenüber einer anderen Jugendamtsmitarbeiterin seine Angaben revidiert und von einer Misshandlung in der Einrichtung gesprochen. Deshalb soll für ihn nach Angaben des zuständigen Jugendamtes nun nach einer anderen geschlossenen Unterbringung gesucht werden.

Auch die Hamburger Sozialbehörde hat inzwischen den aus der Hansestadt stammenden entwichenen Jugendlichen sowie andere in der Einrichtung lebende minderjährige Hamburger persönlich befragt. "Die Behörde kann Presseberichte nicht bestätigen, wonach es aktuell zu Übergriffen des Personals gegen Hamburger Minderjährige gekommen sei", fasste ein Sprecher das Ergebnis dieser Befragungen zusammen.

Im vergangenen Jahr hätten Fachkräfte aus Hamburg 42 Vor-Ort-Besuche in den Haasenburg-Heimen durchgeführt, in diesem Jahr bereits elf. Zuständige Amtsvormünder hätten regelmäßig Kontakt zu den Jugendlichen. Dabei habe sich nie ein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung ergeben.