Es ist in erster Linie eine kuriose Vorstellung: Berlusconi als Zivi? "Ich hätte ihn gerne bei mir und würde sehen, wie er einfache Arbeiten wie das Putzen der Toilette erledigt", sagte Don Antonio Mazzi in einem Interview mit "La Repubblica". Der Priester leitet die Stiftung "Exodus" zur Reintegration von Drogenabhängigen.

Das italienische Strafprozessrecht sieht die Möglichkeit des zivilen Dienstes vor. Berlusconi wurde Anfang August zu vier Jahren Haft wegen Steuerbetrugs verurteilt, wegen einer Amnestieregelung aus dem Jahr 2006 muss er nur ein Jahr der Strafe verbüßen. Als über 70-Jähriger kann er Hausarrest beantragen oder eben die Einweisung in den Zivildienst.

Dass der Milliardär aus Mailand nun zur zweiten Option tendiert, hat auch mit der Situation zu tun, in der sich seine Partei "Volk der Freiheit" (PdL) befindet. Der PdL ist gespalten. Berlusconi musste sich seinem Parteisekretär Angelino Alfano beugen, der wie der Großteil der PdL-Abgeordneten für die Fortsetzung der Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten war. Der Parteigründer ist daran interessiert, den offensichtlichen Bruch wieder zu kitten und seine innerparteiliche Macht zurückzuerlangen. Dazu benötigt er Bewegungsfreiheit und Zeit. Politisch ist Berlusconi schwer angeschlagen. Am Freitag hatte der Immunitätsausschuss für seinen Ausschluss aus dem Senat gestimmt, bis Ende des Monats soll auch das Plenum entscheiden.

Im Hausarrest wären Berlusconi die Hände gebunden. Er könnte nur wenige Male in der Woche den Palazzo Grazioli, seine Residenz in der römischen Innenstadt verlassen, in die er kürzlich seinen Hauptwohnsitz verlegt hatte. Die Tätigkeit im Zivildienst würde ihm mehr Freiheit gestatten, Berlusconi müsste zwar seinen Tagesablauf mit den Richtern koordinieren. Er wäre in seiner politischen Tätigkeit, die er nicht aufzugeben gedenkt, beweglicher. Zudem dürften Monate vergehen, bis die Richter über seinen Antrag auf Einweisung in den Zivildienst entscheiden. Der Ex-Premier könnte solange unbeschränkt agieren.

Berlusconi wäre nicht der erste italienische Politiker, der diesen Weg wählt. Der christdemokratische Ex-Ministerpräsident Arnaldo Forlani verbüßte eine Strafe bei der Caritas in Rom. Ex-Verteidigungsminister Cesare Previti leistete bei einer römischen Einrichtung für Drogensüchtige Dienst. Ganz unkompliziert ist die Zuweisung in den Zivildienst allerdings nicht. Voraussetzung ist, dass der Straftäter seine Taten bereut und der Effekt einer "Umerziehung" zu erwarten ist.

Berlusconi ist 77 Jahre alt und wettert seit etwa 20 Jahren gegen ein angebliches Komplott "kommunistischer Richter". Don Mazzi, der Gründer der Stiftung "Exodus" ist trotzdem optimistisch: "Er kommt sich heute wie ein Idol der Massen vor. Aber ich bin mir sicher, dass in seinem Inneren noch etwas zu retten ist. Er muss nur mit seinen Händen in der Erde graben, in aller Stille Tomaten pflanzen, weit weg von allem Wohlstand und allen Schmeichlern."