Die Großen dieser Welt schippern - so der Wunsch des italienischen Milliardärs, Medienzars und Ministerpräsidenten - von der Nordostspitze Sardiniens an der sündhaft teuren Costa Smeralda vorbei nach Neapel. Ja, Neapel. Denn der Regierungschef möchte der Welt zeigen, wie schön die kampanische Metropole ist, nachdem er es geschafft hat, das Müllchaos in den Griff zu bekommen. Doch es gibt auch eine Reihe von Fragezeichen. Und Krach mit den Sarden, die diesen Gipfel doch eigentlich ausrichten sollen, wäre programmiert.
Der Kreuzfahrtfachmann Berlusconi aber weiß schon, wie sein "Traumschiff" aussehen soll, mit dem er dann auch den neuen starken Mann im Weißen Haus in Washington beeindrucken will, berichtete die römische Tageszeitung "Il Messaggero": 1000 Kabinen, 250 davon mit Luxusausstattung, und acht Restaurants. Kostenpunkt: Zwei Millionen Euro. "Ich kann dafür sorgen, dass es 50 Prozent Ermäßigung gibt", so erläuterte er seinen Ministern.
Wie kommt der 71-jährige Multiunternehmer auf diese Idee? Der G8-Gipfel auf der hübschen Insel La Maddalena vor der sardischen Nordostküste ist seit Langem geplant, die Vorarbeiten sind allerdings im Verzug. 200 Millionen Euro hat der Regionalpräsident von Sardinien, Renato Soru, gerade für die umfangreichen Arbeiten auf der Insel zugestanden bekommen. Und die stolzen Sarden sähen es nicht gern, sollte ihnen die Chance flöten gehen, ihre Insel hübsch aufzupolieren und werbewirksam vorzuzeigen. Eine definitive Entscheidung darüber, wo der Club der Industriestaaten nun tagt, soll bis September fallen.
Zum Ablauf des Gipfels hat Berlusconi bereits konkrete Vorstellungen: Zunächst kommen die acht Staats- und Regierungschefs zu Eröffnungssitzungen auf La Maddalena zusammen, dann entern sie das Kreuzfahrtschiff. Nach dem Anlegen in Neapel stoßen die Mächtigen der Schwellenländer und Afrikas hinzu.
Aber es gibt noch einen ganzen Haufen Fragen, vor allem logistischer Natur. Wie bringt man einen Tross von 7000 bis 8000 Menschen an einem Tag von Sardinien nach Kampanien? Vielleicht sind es auch 20 000, mit Medien- und Sicherheitsleuten. Und wie stellt man bei einem Gipfel an gleich drei Orten den Schutz der hohen Gäste sicher? Wer bezahlt das alles? Alles das lässt Berlusconi noch abwägen - vielleicht bleibt es ein Sommernachtstraum.