Schnute sollte sich nicht länger quälen: Am Sonntagabend ist Berlins letztes lebendiges Wappentier eingeschläfert worden. Die Bärin sei schmerzfrei in ihrem Gehege im Köllnischen Park gestorben, teilte der Bezirksstadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU), am Montag mit. Zuvor hatte sich Schnutes Zustand massiv verschlechtert. „Sie war nicht mehr in der Lage, in ihren Stall zurückzukehren und musste im Außengehege übernachten“, erläuterte Spallek. Ihr schwacher Allgemeinzustand und die Gelenkerkrankungen seien nicht mehr therapierbar gewesen. Aus tierschutzrechtlicher Sicht sei daher nur das Einschläfern infrage gekommen.

Mit Schnutes Tod geht in Berlin eine Ära zu Ende: Die Hauptstadt hat nun kein lebendiges Wappentier mehr - und soll auch in Zukunft keines bekommen. Schon vor Jahren wurde entschieden, dass es für Schnute und ihre bereits 2013 gestorbene Tochter Maxi keinen Nachfolger geben soll.

Die Trauer unter den Berliner Bärenfreunden ist groß. „Wir sind geschockt, weil Schnutes Tod so plötzlich kam“, sagt die Vorsitzende des gleichnamigen Vereins, Christa Junge. Noch vor einer Woche habe sie das Tier besucht. „Da war noch alles in Ordnung“, so Junge. Es sei bestimmt keine leichte Entscheidung gewesen, die Bärin einzuschläfern. „Aber man soll Tiere nicht leiden lassen. Wir gönnen Schnute den Frieden“, betonte sie.

Schnute ist 34 Jahre alt geworden. Sie litt an Arthrose und bekam Medikamente. Tierschützer Stefan Klippstein hatte bereits im April gefordert, sie einschläfern zu lassen. Er zeigt sich erleichtert: „Endlich hat das würdelose Leben des alten, kranken und gebrechlichen Tieres ein Ende“, sagte er. „Es war längst überfällig, Bär Schnute endlich von seinen Leiden zu erlösen“, so Klippstein. Schnute habe sich kaum mehr bewegen können und sei meist teilnahmslos gewesen.

Seit 1280 ist der Bär als Wappentier Berlins bekannt. Der Backsteinzwinger in der Nähe des Märkischen Museums wurde im August 1939 eröffnet. Die ersten Bären waren Urs und Vreni - Geschenke der Stadt Bern zur 700-Jahrfeier Berlins. Seitdem lebten dutzende Tiere in dem Gehege, auch viele Junge wurden geboren. Jeweils ein Bär wurde offiziell zum Stadtbären ernannt. Schnutes Vorgänger hießen Urs, Nante, Taps und Tilo. „Schnute war die einzige weibliche Stadtbärin“, sagt Junge.

Auch andere Städte haben ihre Bären, wie etwa die Schweizer Hauptstadt Bern oder Torgau in Sachsen. Um die Berliner Bären gab es seit Jahren heftigen Streit. Tierschützer hatten sich immer wieder für einen Umzug von Schnute und Maxi in einen Bärenpark eingesetzt, weil die Haltung in dem Zwinger aus ihrer Sicht nicht artgerecht sei.

Doch Experten wollten den Tieren den Umzug und Reisestress nicht zumuten. Sie hätten eine Narkose bekommen müssen. Maxi starb im August 2013 an inneren Blutungen. Schnute soll nun obduziert werden. An diesem Freitag (16. Oktober) will Stadtrat Spallek bei einer Pressekonferenz Näheres mitteilen.