Der Berliner Zoo will sich seiner Vergangenheit während des Nationalsozialismus stellen und bringt dafür verschiedene Vorhaben auf den Weg. "Wir können Geschehenes nicht wieder ungeschehen machen. Man kann auch nicht einfach Unrecht und Ungerechtigkeit durch heutiges Recht wieder gutmachen", sagte Direktor An-dreas Knieriem am Montag in Berlin. Man wolle damit aber ein Zeichenfür die Zukunft setzen.

Ein Vorhaben ist eine Ausstellung im Antilopenhaus, die die Geschichte des Zoos entsprechend beleuchten soll. Jüdische Aktionäre waren nach 1933 zum Verkauf ihrer Wertpapiere gezwungen oder enteignet worden. Zuvor soll Schätzungen zufolge etwa ein Drittel der 4000 Zoo-Aktien im Besitz jüdischer Eigentümer gewesen sein. Das hatte eine Studie ergeben, die Anfang die Jahres veröffentlicht worden war.

Die geplante Schau solle auch zeigen, dass der Zoo "Kind seiner Zeit" war, erklärte Kurator und Historiker Clemens Maier-Wolthausen. Nur die NS-Zeit in der Zoo-Geschichte zu beleuchten, würde zu kurz greifen, betonte er. Die Zeit des Nationalsozialismus werde aber natürlich einen zen-tralen Platz einnehmen. Die Ausstellung soll möglichst Ende 2016 öffnen und dauerhaft bestehenbleiben.

Die Büste des Ex-Zoodirektors Lutz Heck wurde bereits gestern mit einer Informationstafel zu Hecks Rolle im Nationalsozialismus ergänzt. Eine Initiative hatte zuvor gefordert, die Büste zu entfernen. Heck war von 1932 bis 1945 Chef des Zoos. Seit 1933 war er offizielles Fördermitglied der SS und seit 1937 Mitglied der NSDAP - was unter anderem auf der Tafel nachzulesen ist. "Die Frage ist: Inwieweit ist die Büste schon eine Ehre der Person?", sagte Direktor Knieriem. Statt sie ganz zu entfernen, habe man sich dafür entschieden, mit einer Info-Tafel auch das negative Wirken Hecks darzustellen.

Als Zeichen für die Zukunft will der Zoo zudem ein Stipendien-Programm für Forscher aus Israel in Deutschland mit 200 000 Euro finanzieren. "Wir wünschen uns, dass auf diese Weise stabile Brücken zwischen den beiden Ländern entstehen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Bruckmann.

Das Programm richtet sich demnach an Wissenschaftler, die ihre Doktorarbeit im Bereich Veterinärmedizin, Biologie oder Wild- und Zootierforschung schreiben - aber auch an Doktoranden, die in Ethik und Geschichte unterstützt werden möchten. Es ist zunächst auf fünf Jahre befristet. Die ersten Stipendiaten werden 2016 erwartet. Kooperationspartner sind die Freie Universität Berlin und die Hebrew University of Jerusalem.

Die NS-Geschichte des Zoos ist schon seit Jahren ein Thema in Berlin. Seit 2011 erinnert eine Gedenktafel am Antilopenhaus an die Jüdischen Aktionäre, die während des Nationalsozialismus von der damaligen Zooleitung diskriminiert und enteignet wurden.