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| 01:10 Uhr

Berliner Skihalle aus dem Hause Snowtropolis

Snowtropolis-Geschäftsführer Olaf Oertel aus Senftenberg plant in Berlin eine neue Skihalle.Zwei Skifahrer wedeln in der Snowtropolis-Skihalle in Senftenberg über den Kunstschnee. Mit dem Senftenberger Know-How soll jetzt in Berlin die drittgrößte Skihalle Deutschlands entstehen.
Snowtropolis-Geschäftsführer Olaf Oertel aus Senftenberg plant in Berlin eine neue Skihalle.Zwei Skifahrer wedeln in der Snowtropolis-Skihalle in Senftenberg über den Kunstschnee. Mit dem Senftenberger Know-How soll jetzt in Berlin die drittgrößte Skihalle Deutschlands entstehen. FOTO: Archivfoto: BalzerArchivfoto: Rasche
Mit dem Know-How der Senftenberger Snowtropolis GmbH soll in Berlin-Adlershof im Herbst 2007 die drittgrößte Ski-Halle Deutschlands in Betrieb gehen. Partner der Senftenberger bei dem 50-Millionen-Euro-Projekt ist der Österreicher Dr. Peter Wunderlich, Geschäftsführer der Berliner Gastromanagement GmbH. Die Halle in Senftenberg werde von der großen Schwester profitieren, so der Gastronom. Von einer Konkurrenz will er nichts wissen. Von Daniel Preikschat

Olaf Oertel wirkt selbstsicher, ganz so, als sei der Geschäftsführer von Snowtropolis in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) vom Gelingen seines neuen Projektes restlos überzeugt. Er sitzt im Skihallen-Café auf einem der roten Sessel, schaut durch die Panorama-Glasscheibe auf die 130-Meter-Piste, die sich an diesem Montagmorgen nur langsam mit Skifahrern füllt. Unter dem Hallendach, erklärt er, liegt der Schnee einen halben Meter hoch auf 10 000 Quadratmetern Fläche.
Dieser Kunstschnee ist Oertels Kapital. Er ist dreimal so hoch verdichtet wie die natürliche Flockenpracht, hält entsprechend länger und kann deshalb auch transportiert werden. In Dresden und Berlin, selbst in Nürnberg und Flensburg, rutschen Rodler, Skifahrer und Snowboarder über den chemiefreien Kunstschnee aus Senftenberg, den Oertel den Veranstaltern verkauft.
Sein Hauptgeschäft freilich ist die Skihalle. Er zeigt auf die Schneedecke vor ihm. Die müsse ständig bewegt, von Raupen geschoben, wieder aufbereitet, nach und nach ersetzt werden. „Im Grunde“ , erklärt der studierte Energiewirtschaftler, „schauen wir in einen riesigen Kühlschrank.“ Der Halle werde komplett die Wärme entzogen. Die warme Abluft heizt die 22 Ferienwohnungen neben der Halle, das Café, das Res taurant, sämtliche andere Räume. Oertels Energie sparendes geschlossenes System der Schnee-Erzeugung hat ihn in Insiderkreisen bekannt gemacht. Wie es genau funktioniert, behält er für sich.

„Gigantisches Potenzial“ in Berlin
In Berlin, sagt er, werde das auch so funktionieren. Seit zweieinhalb Jahren schon sucht er in der Bundeshauptstadt den geeigneten Standort und den geeigneten Partner aus der Gastronomie, um ganz groß aufzuziehen, was er im März 2003 in seiner Heimatstadt Senftenberg mit Snowtropolis im kleineren Rahmen ausprobiert hat. 100 000 bis 140 000 Gäste hat die Halle im Jahr. Das reiche, um sie mit bescheidenem Gewinn zu betreiben. In Berlin dagegen erwartet Oertel jährlich bis zu 800 000 Besucher. Die Stadt hat mehr als doppelt so viele Einwohner wie ganz Brandenburg und liegt mehr als zwei Autostunden von den Bergen entfernt. „Ein gigantisches Potenzial“ , schwärmt der 41-Jährige. Versuche anderer Investoren in Neukölln und Mariendorf eine Berliner Skihalle zu bauen, scheiterten an Problemen mit den Anliegern. „Machen wir uns nichts vor“ , räumt Olaf Oertel ein, „eine Skihalle ist kein schönes Gebäude. Die hat keiner gern in seiner Nachbarschaft.“ Über die Einwände von Ämtern und Trägern öffentlicher Belange könnte der Macher-Typ ebenfalls lange klagen. Trotzdem müsse die Halle in der Stadt liegen, schnell erreichbar sein mit U- oder S-Bahn oder dem Auto.

Richtiger Standort, richtiger Partner
Der Senftenberger hat in Berlin drei Standorte geprüft, erst der vierte sagte ihm zu. Ein knapp 50 000 Quadratmeter großes Grundstück aus dem Treuhandvermögen der Stadt Berlin, gelegen zwischen Großberliner Damm und S-Bahnhof. „Die Berliner Senatsverwaltung hat mir bei der Suche sehr geholfen“ , sagt er. Fast zeitgleich fand Oertel auch den richtigen Partner, der ihm den Gastronomie-Part abnimmt.
Dr. Peter Wunderlich betreibt im Berliner Sony-Center das Brauhaus und Restaurant Lindenbräu. Wie Oertel verfolgte auch Wunderlich schon seit Jahren den Plan, in Berlin eine Skihalle zu betreiben. „Im Januar“ , sagt der 63-jährige gebürtige Salzburger der RUNDSCHAU, „hat ein Lieferant von Herrn Oertel den Kontakt zwischen uns hergestellt.“ Das gemeinsame Interesse führte die Männer zusammen und ließ sie schnell handeln. Über die Aufgabenverteilung mussten beide nicht erst lange diskutieren. Sie schlossen zunächst eine Kooperationsvereinbarung, gründeten dann eine Investoren-Arbeitsgemeinschaft. Eine Leasinggesellschaft zeigte sich von ihrem Skihallen-Konzept überzeugt und sagte ihnen einen hohen Kredit zu. Im Sommer dieses Jahres erwarb das Duo das Grundstück in Adlershof. Im Sommer kommenden Jahres erwarten Oertel und Wunderlich die Baugenehmigung. Im Herbst 2007 soll der Bau starten, im Winter 2007 die Halle öffnen.
Ein Senftenberger Planungsbüro hat die Berliner Skihalle schon auf Papier gebannt. Sie überdacht zwei Pisten: die 260 Meter lange Hauptstrecke und einen Anfängerbereich von 100 Metern Länge. Darunter sind Parkdecks geplant. Um die Schneeflächen herum gruppiert sind Hotel, Bowlinganlage, Sauna, Biergarten, Sportgeschäft. Im Außenbereich schließen sich Erlebnisweiher, Kletterwand und ein Areal für Drachenflüge an. „Wir holen die Berge in die Metropole“ , verkündeten Oertel und Wunderlich kürzlich stolz bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Snowboarder-Hochburg Senftenberg
Rund 50 Millionen Euro wird die Halle kosten und knapp 100 Arbeitsplätze bieten. Sie wird, so Olaf Oertel, etwa dreimal so groß sein wie die in Senftenberg. Den Hinweis auf eine erdrückende Konkurrenz für Snowtropolis finden Oertel und Wunderlich abwegig. Das genaue Gegenteil treffe zu, sind beide überzeugt. Die neue Skihalle werde den Berliner Markt erst richtig aufschließen und dann auch Senftenberg neue Kundschaft zuführen, meint Wunderlich. Sein Kompagnon Oertel denkt dabei an Snowboarder, die sich in der Lausitz auf ihren Brettern austoben könnten, während Berlin eher Anlaufstation für Anfänger sein soll. Snowtropolis soll außerdem Forschungs- und Entwicklungsstandort bleiben. „Die Schnee-Erzeugung muss ständig weiter perfektioniert werden“ , erklärt Olaf Oertel. Schließlich könnten auch die Skilehrer für die Berliner Halle in Senftenberg getestet werden.
Auf Raimund Jennert vom Landestourismusverband wirkt das kleine Snowtropolis wie ein Pilotprojekt für Berlin. „Vermutlich aber haben die Senftenberger auch gemerkt, dass doch weniger Berliner zu ihnen kommen als ursprünglich gedacht.“ Da sei es nahe liegend, so Jennert, selbst in der Metropole den Versuch zu wagen - bevor es jemand anderes tut. Der Tourismus-Fachmann kennt Olaf Oertel und ist sich ziemlich sicher: „Wenn Herr Oertel in beiden Skihallen die Geschäfte mit führt, wird Senftenberg bestimmt nicht hinten runterfallen.“

Hintergrund Skihallen im Ruhrgebiet
  In Deutschland gibt es außer der Senftenberger Skihalle - der einzigen in ganz Ostdeutschland - nur noch zwei in Nordrhein-Westfalen . Die Halle in Bottrop steht auf einer ehemaligen Halde und bietet eine 640 Meter lange Piste mit einem Knick. In Neuss erstreckt sich die Piste über 300 Meter. In ganz Europa gibt es 16 Skihallen , die meisten in den Niederlanden und in England.