Die rund 12 000 Mitglieder der Berliner CDU können sich demnach ab dem 1. Juni einen Monat lang an der Abstimmung beteiligen. Das Ergebnis soll noch vor der parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli vorliegen. Am 16. Mai will die Partei die Vor- und Nachteile einer Offenhaltung in einer Expertenrunde diskutieren. Das Thema habe eine ausführliche Debatte verdient, sagte der CDU-Generalsekretär.

Der Brandenburger CDU-Chef Ingo Senftleben distanzierte sich am Samstag indirekt von dem Vorhaben. Brandenburg und der Bund sind wie Berlin Gesellschafter der Flughafengesellschaft. „Wir konzentrieren uns darauf, dass der BER endlich an den Start kommt und ein wirtschaftlicher Erfolg wird“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Die Wiederholung längst entschiedener Standortdebatten ist dabei wenig hilfreich“.

Auf die Kehrtwende seiner Partei, die sich in den fünf Jahren an der Regierung mit der SPD nicht gegen die Schließung des Flughafens gewehrt hatte, angesprochen, reagierte der Berliner CDU-Generalsekretär Evers selbstkritisch. „Ich glaube wir hätten das Thema ernster nehmen müssen“, räumte er ein. Möglicherweise habe die strikte Position der CDU gegen Tegel zum schlechten Ergebnis bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus beigetragen. „Mein Eindruck ist, wir haben nicht genug hingehört“.

Es habe schon in den vergangenen Jahren Stimmen gegen die Schließung gegeben, die sich zuletzt allerdings gemehrt hätten. Es sei nun an der Zeit, die juristische und wirtschaftliche Machbarkeit einer Offenhaltung des Flughafens zu prüfen, sagte Evers. Eine solche Prüfung sei vom Senat in den vergangenen 20 Jahren abgelehnt worden, weil die Offenhaltung politisch nicht gewollt sei.

Die CDU-Landesvorsitzende Monika Grütters begrüßte den einstimmigen Beschluss des Vorstands. „Ich denke, die abschließende Entscheidung über die Positionierung der Berliner CDU zur Offenhaltung von Tegel ist bei unseren Mitgliedern in guten Händen“, teilte Grütters auf der Homepage der Partei mit.

Der Flughafen in Tegel sollte ursprünglich im Jahr 2012 vom Netz gehen. Weil der neue Hauptstadtflughafen noch immer nicht fertig ist, wird der Flughafen am Rande der Innenstadt mindestens bis 2018 in Betrieb bleiben. Der neue Flughafen könnte schon kurz nach seiner Eröffnung an seine Kapazitätsgranze stoßen. Tegel-Befürworter plädieren daher dafür, den kleinen Flughafen im Berliner Nordwesten parallel zum BER weiter zu betreiben.

Der 43 Jahre alte Flughafen überzeugt durch seine gute Anbindung an die Berliner Innenstadt und einen weitgehend reibungslosen Betrieb: Obwohl Tegel mit jährlich zuletzt gut 21 Millionen Passagieren seit Jahren an der Belastungsgrenze operiert, kam es in der Abfertigung kaum zu Zwischenfällen.

In den vergangenen drei Jahren habe es lediglich zwei Störungen gegeben, teilte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig der Deutschen Presse-Agentur mit. Im vergangenen Oktober rammte ein Dienstleister mit einer Fluggasttreppe das Querruder einer Airbus-Maschine. Im Juni 2015 beschädigte ein Catering-Fahrzeug ein Flugzeug unterhalb einer Tür, während die Passagiere ausstiegen. In beiden Fällen blieb es aber bei Blechschäden.