Der Regierende Bürgermeister nennt das "arm und sexy" - je weiter man von der Hauptstadtgrenze in die Brandenburger Regionen kommt, heißt es "rotzfrech und arrogant". Wenn Wowereit jetzt aus heiterem Himmel nicht mehr bereit ist, mit Brandenburg bei der Wirtschaftsförderung zu kooperieren (was bereits gut klappt), dann sind zudem Zweifel an Verlässlichkeit und Vertrauen des Fusionspartners Berlin angezeigt. Jene Zweifel, die Fusionsgegner hierzulande immer wieder ins Feld führen: Wie würde sich die Mehrheit der aus Berlin kommenden Abgeordneten in einem gemeinsamen Parlament verhalten, wenn es um für beide Seiten wichtige Entscheidungen ginge? Der SPD-Politiker Wowereit hat ihnen eine Antwort von höchster Stelle geliefert: Berlin wird seine eigenen Interessen artikulieren.
Was bleibt: Mit der Absage an eine vertraglich fixierte gemeinsame Wirtschaftsförderung beider Länder hat der vermeintlich glühende Fusionsbefürworter Wowereit dem Prozess auf dem Weg zur Länderehe geschadet. Während Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck das Zusammenwachsen in vielen Bereichen als vertrauensbildene Maßnahmen ansieht, die über kurz oder lang zu der Erkenntnis führen sollen, es in einem gemeinsamen Land zu versuchen, hat ihm sein SPD-Parteifreund jetzt einen Bärendienst erwiesen - einen Berliner Bärendienst.