Von Maria Neuendorff

Die Sonne steht hoch über dem Wald, als Kai Eichler Besuch von seinen Kollegen bekommt. Die Kollegen von der Werksfeuerwehr haben Suppe mit Backerbsen mitgebracht. „Hülsenfrüchte sind immer gut“, sagt der Extremsportler und setzt sich kurz in die hölzerne Grillhütte am Wegesrand, die er heute schon zigmal passiert hat.

Es ist Tag vier eines ungewöhnlichen Ultramarathons. Insgesamt liegen schon 177 Kilometer hinter dem Feuerwehrmann vom Bodensee, der aus Solidarität für seine Berliner Kollegen am Sonnabend zu einem Gewaltmarsch aufgebrochen ist.

Um auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der Hauptstadt aufmerksam zu machen, will er bis zum 9. März 689 Kilometer zu Fuß zurücklegen.

Den Großteil absolviert er derzeit vor der eigenen Haustür auf dem Trimm-Dich-Pfad. Der führt 2,5 Kilometer im Kreis durch den Wald. „Inzwischen kenne ich jeden Baum“, sagt der 46-Jährige, der gegen Langeweile und mentale Tiefs am liebsten peppige Schlager hört.

An diesem Dienstagmittag liegen 25 Kilometer hinter Eichler. Sein Ziel ist es, täglich von 6 bis 16 Uhr rund 50 Kilometer zu absolvieren. Eine riesige körperliche wie mentale Herausforderung, wenn man bedenkt, dass alleine Arbeitskleidung und Ausrüstung rund 35 Kilo wiegen.

Eichler hat schon mehrere Weltrekorde in voller Montur aufgestellt und für einen guten Zweck die körperlichen Grenzen ausgetestet. Aber so ein langwieriges Projekt wie dieses gab es noch nicht. „Muskulär habe ich noch keine Probleme“, freut sich Eichler an Tag vier. Dafür hat er Druckstellen und Blasen an den Füßen. „Ich muss abends Fußbäder nehmen und gut cremen“, bleibt Eichler gelassen. Meist schlafe er schon gegen 21 Uhr auf der Couch neben seiner Frau ein.

Denn die Nacht ist kurz. Täglich um fünf klingelt der Wecker. Dann gibt es ein schnelles Müsli und ab geht es wieder auf den Trimm-Dich-Pfad. In einem angeschlossenen Anhänger am Wegesrand hat er Obst und kohlenhydrathaltige Gels deponiert. „Auf der Strecke brauche ich eher flüssige Nahrung und bin kein Freund von Energie-Riegeln.“

Obwohl Eichler in seiner Heimat aufgrund seiner Rekorde schon ein bekanntes Gesicht ist, begegnen ihm auch immer wieder mal Fremde auf dem Rundweg. „Sie fragen mich, ob es einen Einsatz gibt oder ob ich zum Fasching gehe.“

Weil der Rekordläufer eher marschiert als joggt kann er sich auch gut unterhalten oder telefonieren. Dann berichtet er den Menschen vom Verein „Berlin brennt“, der in der Hauptstadt mit Mahnwachen auf die Missstände im Feuerwehr- und Rettungsdienst aufmerksam macht.  „Durch jahrelange Sparpolitik fehlt Personal und Technik, obwohl die Einsätze sich seit der Wende verdoppelt haben“, berichtet Eichler.

Er selbst hat seine Ausbildung in Frankfurt (Oder) gemacht, wo er auch seine Frau kennenlernte, bevor die Familie 2002 nach Baden-Württemberg zog. Von Frankfurt aus will er auch am 9. März um 1 Uhr früh zur letzten Etappe Richtung Berlin starten. Dann geht es endlich nicht mehr im Kreis, sondern nur noch geradeaus. Bericht folgt.