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Hintergrund
Darum werden die Ausbrecher nicht mit Fotos gesucht

Berlin. Nach der filmreifen Flucht von vier Häftlingen aus der JVA-Plötzensee fragen sich viele Berliner und Brandenburger, warum die Polizei nicht mit Fotos nach den Entflohenen fahndet.


In Filmen flackern oft schon Minuten nach einer solchen Flucht Bilder der Sträflinge durch die Medien. Das sei in Deutschland undenkbar, sagt der Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz, Michael Reis, und verweist auf die Strafprozessordnung (StPO).

Darin ist die Öffentlichkeitsfahndung mit Bildern für zwei Fälle geregelt. Im ersten Fall für die Suche nach Beschuldigten und Zeugen (§ 131b StPO). Dabei geht es nicht nur um das Auffinden der Personen, sondern auch um die Feststellung ihrer Identität.

Da die vier Entflohenen aber schon identifiziert und verurteilt, also auch keine Beschuldigten mehr sind, käme für sie nur der zweite Fall infrage: Die Fahndung mit Bildern nach Personen, die per Haftbefehl gesucht werden (§ 131 StPO).

Richter und Staatsanwälte dürfen dies aber nur anordnen, wenn alle anderen Fahndungsmethoden deutlich weniger erfolgversprechend oder bereits ausgeschöpft sind. Davon könne gut 24 Stunden nach dem Ausbruch jedoch nicht die Rede sein, sagte Reis am Freitagnachmittag.

(dpa)