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| 16:20 Uhr

Rechtsstreit endet im Vergleich
Von Hagens-Museum darf in Berlin bleiben

Plastinator Gunther von Hagens steht 2017 am anlässlich einer Pressekonferenz im Menschen Museum vor in Goldfolie gewickelten Plastinaten.
Plastinator Gunther von Hagens steht 2017 am anlässlich einer Pressekonferenz im Menschen Museum vor in Goldfolie gewickelten Plastinaten. FOTO: dpa / Bernd von Jutrczenka
Berlin/Guben. Präparierte Leichen in einem Museum waren dem Berliner Bezirk Mitte seit Jahren ein Dorn im Auge. Vehement kämpfte die Behörde vor Gericht gegen die Schau des Präparators Gunther von Hagens. Jetzt ist der Streit beigelegt. Das Museum darf bleiben.

Der jahrelange Rechtsstreit zwischen dem Menschen-Museum von Leichenplastinator Gunther von Hagens und dem Bezirksamt Berlin-Mitte ist beendet. „Das Museum kann weiter bestehen bleiben“, sagte Rurik von Hagens am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Am vergangenen Freitag sei ein Vergleich zwischen beiden Parteien geschlossen worden, berichtete der Sohn des Plastinators. Ein Sprecher des Oberverwaltungsgerichts bestätigte das Ende des Verfahrens. Von Hagens zeigte sich erleichtert darüber, dass das Museum jetzt endlich wieder Planungssicherheit habe.

Mittes Sozialsenator Ephraim Gothe (SPD) sprach von einem „großen Erfolg des Bezirkes Mitte zur Wahrung der postmortalen Menschenwürde“. Denn nun gebe es ein vernünftiges Verfahren für das künftige Ausstellen einzelner Plastinate.

Das Museum hat sich mit dem Bezirk unter anderem darauf geeinigt, neue Plastinate künftig zwei Wochen vorab anzukündigen, damit das Bezirksamt die Korrektheit der Leichenherkunft überprüfen kann. „Damit hat das Bezirksamt Mitte endgültig sein Ziel erreicht, dass Plastinate ohne vorherigen Nachweis einer individuell zuzuordnenden Einwilligungserklärung nicht ausgestellt werden dürfen“, betonte Stadtrat Gothe.

Außerdem dürfen die Mitarbeiter des Amts die Labore in Heidelberg und in Guben jederzeit besuchen und stichprobenartige Kontrollen durchführen. Das Bezirksamt habe seinerseits alle Verbote und Strafandrohungen zurückgenommen, berichtete von Hagens.
„Zur Vermeidung weiterer gerichtlicher Streitigkeiten war dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg sehr an einer verbindlichen Einigung zwischen den Parteien über das weitere Verfahren bei der Ausstellung von Plastinaten gelegen“, sagte Gothe.

Der Bezirk hatte jahrelang vehement gegen das im Februar 2015 eröffnete Museum am Berliner Fernsehturm gekämpft. Ein Streitpunkt war die zum Teil nicht mehr nachvollziehbare Herkunft der Präparate. Der Streit hatte mehrere Gerichte beschäftigt.

Der inzwischen an Parkinson erkrankte Gunther von Hagens entwickelte die Plastinationstechnik in den 1970er-Jahren in Heidelberg, wo er 1993 auch das Institut für Plastination gründete. Die präparierten Toten sind in verschiedenen Positionen zu sehen. Sie sind jung, alt, schwanger, krank oder gesund. Die Haut ist abgezogen, Muskeln und Nervenstränge sind gut sichtbar.

Laut seinem Sohn sind in der Ausstellung sechs menschliche Körper, etwa 120 Teilkörper sowie Tierpräparate zu sehen. Mehr als 500 000 Menschen sahen die Ausstellung demnach bereits.

(dpa/bob)