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| 11:15 Uhr

Nachdem im Vorjahr mehrere Tiere gestorben waren
Tegeler See Berlin: Für Hunde tödliche Blaualgen kaum noch nachweisbar

 Mischlings-Hundedame Ivi läuft nach einem erfrischenden Bad im Tegeler See in Richtung Ufer. In der Saison nach dem Tod mehrerer Hunde am Tegeler See in Berlin sind die giftproduzierenden Blaualgen bislang kaum wieder nachgewiesen worden.
Mischlings-Hundedame Ivi läuft nach einem erfrischenden Bad im Tegeler See in Richtung Ufer. In der Saison nach dem Tod mehrerer Hunde am Tegeler See in Berlin sind die giftproduzierenden Blaualgen bislang kaum wieder nachgewiesen worden. FOTO: dpa / Paul Zinken
Berlin. Es kam völlig unerwartet und war bundesweit ohne Vergleich: Mehrere Hunde starben im vergangenen Jahr, nachdem sie im Tegeler See geschwommen waren oder daraus getrunken hatten. Schuld waren giftige Blaualgen. Dieses Jahr konnten diese noch nicht nachgewiesen werden.

Über ein Jahr nach dem Tod mehrerer Hunde nach Aufenthalten Tegeler See in Berlin sind die giftproduzierenden Blaualgen (Cyanobakterien) bislang kaum wieder nachgewiesen worden. „Die Befunde haben sich in diesem Jahr nicht wiederholt“, sagte Roswitha Kröger, Expertin beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso).

Lediglich Spuren der sogenannten Cyanobakterien Tychonema seien am Uferbereich im Spülsaum mit angeschwemmten Pflanzenresten entdeckt worden, vor allem vor Beginn der Badesaison im April und Mai. Mit bloßem Auge ist eine Belastung nicht zu erkennen – anders als bei anderen Blaualgenarten.

Seit dem Tod mehrerer Hunde im Mai 2017 werden alle Berliner Badegewässer in einem Sondermessprogramm auch in Hinblick auf diese Blaualgen untersucht – in diesem Jahr seit April. Die Badestellen am Tegeler See würden zudem an Land und Wasser vorsorglich regelmäßig von angeschwemmten Wasserpflanzen befreit, so Kröger.

Denn die Cyanobakterien Tychonema, die das für die Hunde tödliche Nervengift Anatoxin A produzieren, haften an Wasserpflanzen an. Kröger erklärte, es sei denkbar, dass diese Blaualgen schon länger im See vorkommen, wegen geringerer Konzentrationen aber bis zum Vorjahr nie auffielen. Zuvor hatte es hierzu keine gezielten Untersuchungen gegeben.

Die Blaualgenart ist eigentlich aus kalten, klaren und nährstoffarmen Gewässern Kanadas und Skandinaviens bekannt und gilt als spezialisiert auf derartige Gewässer. In Europa gab es zum Beispiel auch Nachweise am Gardasee, wo sich die Gewässerqualität wie am Tegeler See in den vergangenen Jahren deutlich gebessert habe, sagte Derk Ehlert aus der Umweltverwaltung. Insgesamt sei das Spektrum an Blaualgen sehr breit.

Ehlert sprach von etwa 2000 Arten, sie gehörten zu den ältesten Lebewesen überhaupt. Manche von ihnen trüben gerade im Hoch- und Spätsommer ab und an den Badespaß an Seen - dabei sind im Unterschied zum Vorfall am Tegeler See jedoch in der Regel Schlieren oder Algenteppiche auf dem Wasser zu sehen.

„Ein massenhaftes Auftreten des Cyanobakteriums Tychonema wie im Tegeler See ist bisher in Deutschland nicht beobachtet worden, überhaupt ist in der Literatur sonst kein solcher Fall dokumentiert“, sagte Jutta Fastner von der Abteilung für Trink- und Badewasserhygiene beim Umweltbundesamt mit Blick auf die getöteten Hunde. Das könne aber auch daran liegen, dass zum Beispiel einzelne Todesfälle von Wildtieren nicht genauer untersucht werden. Neben Hunden waren in Berlin im Umfeld des Tegeler Sees auch mehrere Füchse und ein Wildschwein gestorben.

Speziell nach den Cyanobakterien, die 2017 im Tegeler See nachgewiesen wurden, werde in anderen Bundesländern bisher nicht systematisch gesucht. „Wir könnten auch gar nicht dauerhaft ganze Seen absuchen“, erläuterte Fastner. Nach ihren Angaben sollten Hundehalter vorsorglich darauf achten, dass die Tiere kein Seewasser trinken. Grundsätzlich sei aber nicht absehbar, ob eine massenhafte Vermehrung wie 2017 überhaupt wieder auftrete.

Im Vorjahr hatten mindestens zwölf Hunde Vergiftungsanzeichen gezeigt, nachdem sie im Tegeler See geschwommen waren, am Ufer gespielt oder Seewasser getrunken hatten – mehrere starben. Zunächst war vermutet worden, dass Hundehasser Giftköder ausgelegt haben könnten. Doch bei anschließenden Untersuchungen wurden die Cyanobakterien bei angeschwemmten Pflanzen nachgewiesen. Und in einzelnen Hundemägen wurde Nervengift gefunden. Vorsorglich hatte das Lageso damals dazu aufgerufen, kleinere Kinder nicht im Uferbereich baden oder spielen zu lassen.

(dpa)