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Sturm „Herwart“: Weniger Schäden als erwartet

Hubertus Kraut. Foto: Patrick Pleul/Archiv
Hubertus Kraut. Foto: Patrick Pleul/Archiv FOTO: Patrick Pleul
Potsdam. Das Sturmtief „Herwart“ hat in Berlin und Brandenburg weniger Schäden angerichtet als befürchtet. Der Zugverkehr lief am Dienstag auf allen Strecken wieder nach dem regulären Fahrplan, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn mitteilte. Ein Großteil der Aufräumarbeiten war schon am Sonntag abgeschlossen. Auch die Berliner Stadtreinigung musste nicht zu Sondereinsätzen ausrücken. Sturmtief „Herwart“ kostete bundesweit vier Menschen das Leben. dpa

„Herwarts“ Vorgängersturm „Xavier“ habe Anfang Oktober mehr gewütet, sagte Hubertus Kraut, Direktor des brandenburgischen Landesbetriebes Forst, am Dienstag. Genauere Daten zu Schäden in den Wäldern lägen aber noch nicht vor, sagte er. Diesmal seien die Angriffsflächen bei Windböen aber deutlich geringer gewesen, denn die Bäume hatten kaum noch Laub.

„Für den gesamten Wald bedeutet das Unwetter keine wirtschaftliche Katastrophe“, sagte Kraut. Im Einzelfall könne es aber größere Verluste bei Waldbesitzern geben.

Die Herbstpflanzungen werden sich nach Angaben von Kraut wegen der Aufräumarbeiten etwas verzögern. „Solange es frostfrei bleibt, können die Setzlinge in den Boden gebracht werden“, sagte er. Von den beispielsweise rund 250 000 Hektar Landeswald - meist Kiefern - werden in jedem Jahr etwa 1500 bis 2000 Hektar aufgeforstet.

Am Sonntag war Berlin noch komplett vom Fernverkehrsnetz abgeschnitten. Die Deutsche Bahn hatte in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr gestoppt. In Brandenburg waren mehrere Regionalbahnlinien betroffen. Auf der Strecke zwischen Hannover und Berlin fuhren ab Montagmorgen wieder Züge, ebenso auf den Routen Hannover-Magdeburg, Berlin und Dresden, sowie Münster und Norddeich.

Allerdings mussten sich die Fahrgäste am Montag noch auf Verspätungen einrichten. Manche Abschnitte waren nur eingleisig befahrbar, etwa auf der Strecke von Berlin nach Stralsund und nach Rostock, wie ein Bahnsprecher sagte. Die Fernverkehrsstrecke Hamburg-Berlin wurde nachmittags wieder freigegeben. Ein umgestürzter Baum hatte eine Oberleitung zwischen Boizenburg und Hagenow in Mecklenburg stark beschädigt, die Reparatur dauerte länger als zunächst angenommen. Am Dienstag meldete die Deutsche Bahn dann freie Fahrt auf allen Strecken.

Die Stürme „Xavier“ und „Herwart“ haben auch das Bild des diesjährigen Oktoberwetters in der Region geprägt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom Montag erlebten Berlin und Brandenburg einen überdurchschnittlich warmen, aber viel zu nassen Herbstmonat. Mit 11,5 Grad lag die Mitteltemperatur in Brandenburg deutlich über dem DWD-Referenzwert von 9,3 Grad. Den wärmsten Tag gab es demnach am 17. Oktober in Cottbus: Dort kletterten die Temperaturen auf 24,5 Grad. In Berlin betrug die Mitteltemperatur 11,7 Grad und lag damit ebenfalls deutlich über dem DWD-Referenzwert von 9,6 Grad. Den wärmsten Tag in der Hauptstadt gab es am 16. Oktober, als das Thermometer 23,1 Grad anzeigte.

Der Regen hatte es in beiden Ländern in sich. Im Oktober fielen in Brandenburg rund 75 Liter pro Quadratmeter statt der sonst üblichen 37. In Berlin waren es 80 statt der normalerweise 35 Liter pro Quadratmeter. Auch die Sonne hielt sich zurück. Im Vergleich der Bundesländer belegte Berlin im Oktober mit nur 80 Sonnenstunden den letzten Platz.