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Stiftungsdirektor: „Rassismus wird öffentlich geäußert“

Potsdam. Der Münchner Historiker Axel Drecoll will als neuer Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten insbesondere rassistischen Tendenzen entgegentreten. Der 43-Jährige leitet den Erinnerungsort „Dokumentation Obersalzberg“ und tritt am 1. Juni die Nachfolge von Stiftungsdirektor Günter Mosch an. „Ich habe erlebt, dass von Besuchern der Gedenkorte häufiger rassistische und antisemitische Gedanken offen geäußert werden“, sagte Drecoll am Donnerstag bei seiner Vorstellung in Potsdam. Dem wolle er auch bei der Arbeit mit Besuchern der ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück entgegentreten. dpa

Der Münchner Historiker Axel Drecoll will als neuer Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten insbesondere rassistischen Tendenzen entgegentreten. Der 43-Jährige leitet den Erinnerungsort „Dokumentation Obersalzberg“ und tritt am 1. Juni die Nachfolge von Stiftungsdirektor Günter Morsch an. „Ich habe erlebt, dass von Besuchern der Gedenkorte in letzter Zeit häufiger rassistische und antisemitische Gedanken offen geäußert werden“, sagte Drecoll am Donnerstag bei seiner Vorstellung in Potsdam. „Da sind Tabus weggebrochen: Noch vor einigen Jahren wären solche Äußerungen massiv sanktioniert worden.“

Dieser Tendenz zum Tabubruch wolle er auch bei der Arbeit mit Besuchern der ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück entgegentreten, betonte Drecoll. Die Konfrontation mit den Leidensorten der NS-Opfer setze bei vielen Besuchern einen Denkprozess in Gang, sagte er. „Es geht um die Werte unserer Demokratie und die Erfahrung, wie schnell diese wegbrechen können.“

Drecoll will insbesondere junge Menschen erreichen. Allerdings gebe es für diese wichtige Bildungsarbeit immer weniger Zeitzeugen, bedauerte er. „Denn gerade über die persönliche Begegnung mit Überlebenden kommt man schnell zu der Frage nach den Werten, die von den Nationalsozialisten in kaum vorstellbarer Weise verletzt wurden“, erläuterte Drecoll. „Da wurde aus dem Menschen eine Nummer gemacht und schließlich getötet.“

Wichtig sei es, nicht nur auf Schülergruppen zuzugehen, sondern aktive Bildungsarbeit in den Schulen zu leisten. „In Bayern hatten wir insbesondere Zulauf von Gymnasiasten, deswegen haben wir insbesondere die Oberschulen einbezogen.“ Allerdings sei dies nur mit ausreichend Personal zu schaffen. Auch auf die Einwohner in der Region rund um die Gedenkstätten will Drecoll verstärkt zugehen.

Der 43-Jährige leitet seit 2009 den Lern- und Erinnerungsort „Dokumentation Obersalzberg“ des Instituts für Zeitgeschichte München - Berlin. Forschungsschwerpunkte waren jüdische Geschichte in Bayern, Geschichte der NS-Verbrechen sowie Erinnerungskultur in Deutschland und Europa. Auch am museumspädagogischen Programm zur zweiten Wehrmachtsausstellung in München über die Verstrickung der Wehrmacht in den Vernichtungskrieg der Nazis sei er beteiligt gewesen, sagte der Historiker.

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