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Steinmeier: Terroropfer hätten mehr Beistand gebraucht

Berlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht im Umgang mit den Opfern des Terroranschlags vom Breitscheidplatz Versäumnisse bei Staat und Gesellschaft. Manche Unterstützung für die Angehörigen der Opfer und für die Verletzten sei spät gekommen und unbefriedigend geblieben, sagte Steinmeier laut dem Manuskript für seine Rede bei der nicht öffentlichen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Terroranschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. „Viele Hinterbliebene und Verletzte - viele von Ihnen - haben sich nach dem Anschlag vom Staat im Stich gelassen gefühlt.“ dpa

Es stelle sich die Frage, wie die gesamte Gesellschaft mit dem Attentat umgegangen sei. Direkt nach dem Anschlag habe sich die Einstellung verbreitet, man wolle sich nicht einschüchtern lassen und weiterleben wie bisher. Diese Sätze seien stark und richtig. „Aber so kurz nach dem Anschlag, als die unfassbare Gewalt gerade in unseren Alltag eingebrochen war, klangen sie nicht mehr nur trotzig und selbstbewusst, sondern auch seltsam kühl und abgeklärt“, mahnte das Staatsoberhaupt. Für viele Angehörige habe das gewirkt „wie ein Abwehrreflex, wie der allzu routinierte Versuch, den Schock zu unterdrücken“ und bei ihnen Unverständnis hervorgerufen.

Genau vor einem Jahr, am Abend des 19. Dezember 2016, war der Attentäter Anis Amri mit einem gestohlenen Laster in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast. Elf Menschen starben, den polnischen Lastwagenfahrer hatte der Terrorist zuvor erschossen. Annähernd 100 Menschen wurden verletzt.