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Soko „Quer“ wertet über 60 Hinweise auf DHL-Erpresser aus

Fahndungsplakate zur Potsdamer Paketbombe. Foto: Gregor Fischer
Fahndungsplakate zur Potsdamer Paketbombe. Foto: Gregor Fischer FOTO: Gregor Fischer
Potsdam. Die Potsdamer Paketbombe wurde nach Ermittlungen der Polizei in einer DHL-Packstation in der Stadt aufgegeben. Die Fahnder suchen jetzt Zeugen, die am vergangenen Donnerstag gegen 7.00 Uhr an der Kantstraße Ecke Roseggerstraße verdächtige Beobachtungen gemacht haben, heißt es in einem Fahndungsaufruf. Zudem werden alle Personen gesucht, die dort zwischen 6.30 Uhr und 7.15 Uhr Pakete aufgegeben haben. Die Packstation befindet sich unweit der berühmten Potsdamer Parklandschaft mit dem Schloss Sanssouci. Die Polizei bittet um Hinweise unter der eigens eingerichteten Telefonnummer 0331/505950. dpa

Bei der Fahndung nach dem DHL-Erpresser wertet die Polizei mehr als 60 Hinweise aus der Bevölkerung aus. Eine heiße Spur zeichnete sich am Dienstag aber noch nicht ab, teilte die Polizei in Potsdam mit. Die Tipps bezögen sich sowohl auf die Packstation in Potsdam, wo ein Täter am Donnerstag die zweite Paketbombe deponierte, als auch insgesamt auf den Fall.

Der oder die Erpresser fordern vom Logistikkonzern DHL im Weihnachtsgeschäft einen Millionenbetrag und drohen mit weiteren Paketbomben. Am Freitag hatte ein solcher Sprengsatz am Potsdamer Weihnachtsmarkt einen Großalarm ausgelöst. Eine andere Paketbombe war schon einen Monat zuvor in Frankfurt (Oder) in Flammen aufgegangen.

Die Polizei rät den Bürgern weiterhin zur Vorsicht, wenn sie unbekannte Pakete erhalten. Im Zweifel solle der Notruf angerufen werden. Bis Dienstag hätten Bürger rund zehnmal die Polizei alarmiert, weil sie verdächtige Pakete erhalten hatten. In allen Fällen seien Inhalt und Herkunft aber ohne Einsatz von Spezialkräften geklärt worden, hieß es. Auch unerwünschte Werbepakete sorgten für Alarm.

Die mehr als 50 Mitarbeiter zählende Sonderkommission, die nach dem Namen der in Potsdam betroffenen Apotheke zunächst „Luise“ genannt wurde, hatte am Montag einen neuen Namen bekommen. Sie heißt nun Soko „Quer“ - in Anlehnung an QR-Codes. In der Paketbombe von Potsdam war ein Zettel mit einem QR-Code entdeckt worden, der die Forderung enthielt. QR-Codes sind Schwarz-Weiß-Bilder, die in ihrem Muster verschlüsselte Informationen enthalten, die mit einem Scanner oder auch Handy ausgelesen werden können.

Der Fall erinnert nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) an den Kaufhaus-Erpresser „Dagobert“, der Anfang der 90er Jahre wegen trickreicher Geldübergabeversuche für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Er konnte schließlich gefasst und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden. Schröter hatte die Hoffnung geäußert, den aktuellen Erpresser schneller fassen zu können.

Die 60 000 DHL-Mitarbeiter wurden wegen der Erpressung von ihrem Unternehmen sensibilisiert. Allerdings ist es nach Angaben eines Sprechers nicht möglich, die derzeit rund sieben Millionen Pakete täglich lückenlos zu prüfen. Der Bundesverband Onlinehandel hatte erklärt, wenn die Polizei den Täter rasch finde, werde es keine Beeinträchtigungen geben.