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Siemens-Chef will Gasturbinen in USA entwickeln lassen

US-Präsident Donald Trump und Siemens-CEO Joe Kaeser in Davos. Foto: Evan Vucci
US-Präsident Donald Trump und Siemens-CEO Joe Kaeser in Davos. Foto: Evan Vucci FOTO: Evan Vucci
Berlin/Davos. Eine Äußerung von Siemens-Chef Joe Kaeser am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos ist bei der IG Metall auf Unverständnis gestoßen. Kaeser hatte bei einem Abendessen am Vorabend US-Präsident Donald Trump zu dessen Steuerreform beglückwünscht und erklärt, angesichts der erfolgreichen Reform habe Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln. Die Gasturbinen gehören zur Kraftwerkssparte, in der Siemens weltweit wegen Nachfrageschwäche und Preisverfall rund 6900 Arbeitsplätze abbauen will, davon etwa die Hälfte in Deutschland. dpa

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Klaus Abel, nannte Kaesers Äußerungen mit Blick auf die Sorgen der Menschen um ihre Jobs „unverantwortlich“. Offensichtlich gebe es doch eine Nachfrage für die Gasturbinen, und es gehe dem Unternehmen vor allem darum, eine höhere Marge zu erzielen. Allein in Berlin stünden rund 900 Siemens-Arbeitsplätze auf der Kippe.

Ein Unternehmenssprecher wies die Kritik zurück. Es sei üblich, dass für lokale Märkte bestimmte Gasturbinen auch vor Ort entwickelt, getestet und produziert würden, zumal sie für die unterschiedlich ausgestatteten Stromnetze ausgelegt seien. Die Entwicklung der Turbinen in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina stehe mit den für Deutschland angekündigten Einschnitten in keinerlei Zusammenhang.

Trump hatte bei dem Abendessen noch mehr Lob geerntet. SAP-Chef Bill McDermott betonte, der US-Präsident habe „Schwung in die Weltwirtschaft gebracht“. Für Siemens sind die USA mit einem Jahresumsatz von zuletzt knapp 24 Milliarden Dollar (rund 19,6 Mrd Euro) der größte Einzelmarkt.