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Schnelles Internet für Firmen: Glasfaser im Gewerbegebiet

Die Firma envia TEL will Gewerbegebiete mit schnellem Internet versorgen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Die Firma envia TEL will Gewerbegebiete mit schnellem Internet versorgen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert FOTO: Klaus-Dietmar Gabbert
Chemnitz. Der Kommunikationsdienstleister envia TEL will in diesem Jahr 60 Gewerbegebiete in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit schnellem Internet versorgen. In die Areale würden dafür Glasfaserkabel verlegt, sagte Geschäftsführer Stephan Drescher der Deutschen Presse-Agentur. „Dafür haben wir ein Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro.“ dpa

Telemedizin, hohe Datenmengen, Internet der Dinge oder Energiesteuerung: Der Branchenverband Buglas drängt auf einen zügigen Ausbau des Netzes mit Glasfaserkabel in Deutschland. Es gehe um Verzögerungen bei der Datenübertragung von maximal einer Millisekunde. Dies gehe nur mit Glasfaser, sagte Geschäftsführer Wolfgang Heer der Deutschen Presse-Agentur. „Es geht nicht um eine Goldrandlösung oder weil es hip ist“, betonte er.

In Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist envia TEL einer von rund 40 regionalen und kommunalen Kommunikationsdienstleistern, die den Glasfaserausbau vorantrieben. In diesem Jahr will die Tochter des Chemnitzer Energieversorgers enviaM 60 Gewerbegebiete in den vier Bundesländern mit schnellem Internet via Glasfaser versorgen. „Dafür haben wir ein Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro“, sagte Geschäftsführer Stephan Drescher der dpa .

Die Kosten für den flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser in ganz Deutschland liegen um ein Vielfaches höher. Der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) schätzt den Investitionsbedarf auf etwa 60 Milliarden Euro. „Der Hauptinvest steht uns noch bevor“, sagte Heer. Belastbare Zahlen für die bereits bestehende bundesweite Erschließung von Gewerbegebieten lägen nicht vor. Eine Erhebung in Nordrhein-Westfalen habe ergeben, dass von rund 2800 Gewerbegebieten etwa 60 Prozent erschlossen sind.

Nach Verbandsangaben sind in Deutschland rund 3,2 Millionen Haushalte direkt an Glasfaserleitungen angeschlossen. Dies seien weniger als zehn Prozent aller Wohneinheiten. Geschäftsführer Heer bezeichnete es dennoch als positiv, dass pro Jahr rund 250 000 Wohn- und Geschäftseinheiten mit Glasfaser erschlossen würden.

Zugleich aber beklagte er das schleppende Tempo. „Es ist unrealistisch, bis 2025 flächendeckend Glasfaser ausrollen zu wollen“, sagte er. Als wesentliche Gründe dafür nannte er den Mangel an Tiefbaukräften, Netzplanern sowie qualifizierten und zertifizierten Monteuren. Die Bundesregierung hatte als Ziel bis Ende 2025 die sogenannte Gigabit-Gesellschaft festgelegt.

Buglas schätzt, dass in Deutschland 180 bis 200 regionale Unternehmen wie envia TEL mit dem Breitbandausbau beschäftigt sind. Die Firma hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 60 Gewerbegebiete an das Glasfasernetz angeschlossen. Mit einer Gesamtinvestition von 30 Millionen Euro bis 2019 ist die Versorgung von 200 Gewerbegebieten mit schnellem Internet über Glasfaserkabel geplant.

Envia TEL deckt nach eigenen Angaben wie die Mutter-Gesellschaft enviaM ein Gebiet von 28 000 Quadratkilometern in vier ostdeutschen Bundesländern ab. „Wir wollen für unser bestehendes Gebiet eine größere Durchdringung erreichen“, sagte Drescher. Derzeit ist sein Unternehmen für 5000 Kilometer Glasfaserkabel verantwortlich. 350 Kilometer davon sind den Angaben zufolge in den Jahren 2015 und 2016 eigenwirtschaftlich verlegt worden.

Drescher kritisierte, dass in den vergangenen Jahren beim Ausbau des Internets zu lange auf Kupferkabel und damit eine veraltete Technik gesetzt wurde. „Wir haben in Deutschland den Fehler gemacht, der Politik zu liebe die Strategie zu vernachlässigen. Wir haben in Kupferkabel investiert - das ist nicht zukunftsfähig“, sagte der Geschäftsführer. „Je länger das Kupferkabel, desto geringer die Bandbreite“, betonte Buglas-Geschäftsführer Heer.

Glasfaser biete im Vergleich dazu eine unbegrenzte Bandbreite und geringere Energiekosten, weil nicht wie beim Kupfer höhere Energiekosten durch Wärmeverluste entstünden. „Es gibt technologisch nichts, was Glasfaser ablösen würde“, sagte Drescher.

Envia TEL war im Jahr 2000 aus der Fusion von drei regionalen Telekommunikationstöchtern entstanden. Aufgabe war die Steuerung der eigenen Energienetze von enviaM. 2016 hatte envia TEL seinen Umsatz von 45,54 Millionen Euro auf 47,328 Millionen Euro gesteigert. „Wir sind in der nächsten Unternehmensphase: die heißt Wachstum“, sagte der Manager. Derzeit beschäftigt die Firma 150 Mitarbeiter in den Standorten Chemnitz, Cottbus, Halle, Markkleeberg und Taucha.

Firmenporträt envia TEL