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| 18:36 Uhr

Rock’n'Roll
Es rollt und rollt und rollt

Die Rolling Stones begeisterten das Publikum beim Konzert im Berliner Olympiastadion.
Die Rolling Stones begeisterten das Publikum beim Konzert im Berliner Olympiastadion. FOTO: dpa / Paul Zinken
Berlin. Die Rolling Stones zeigten sich bei ihrem Berliner Konzert als altehrwürdige Band in Topform. Von Gunnar Leue

Am Freitag gaben die Rolling Stones in Berliner Olympiastadion ein Konzert, das von Anfang bis Ende perfekt war. Im guten Sinne wie im, nun ja, unguten wäre das falsche Wort. Sagen wir, im Sinne der massenunterhaltenden Durchchoreografiertheit. Der Sound war  vergleichsweise top, die Spiellaune der Musiker fantastisch, aber hier und da bekamen die 67 000 Zuschauer im ausverkauften Stadion auch ein paar routiniert verteilte lokalpatriotischen Floskelgaben auf dieser Station der „No Filter“-Tour. Ja, hier gäb’s doch immer „Berliner Weiße“ und „Hackepeter“, so Jagger.

 Überhaupt Berlin, nach 53 Jahren und 50 Konzerten sei man wieder hier. Eine Erinnerung an 1965, als sie in der Waldbühne spielten, die anschließend von den Fans zerlegt wurde. Was, ohne Übertreibung, zum historischen Ereignis geworden ist, weil die Randalebilder  ikonografisch für die damalige Kraft und Macht und für das Rebellische des Rock’n‘Roll standen.

Natürlich ist Jaggers Anmerkung eine Referenz an eine auch in der Bandgeschichte irre Zeit, nur ist die heute so weit weg wie das ausverkaufte Olympiastadion 2018 vom Londoner Marquee Club 1962, in dem die Rolling Stones ihr erstes Konzert gaben. 2018 „It‘s Only Rock‘n‘Roll, But I Like It“, was Jagger gleich als zweites Stück singt – von wegen. Das hier ist längst Großentertainment, In-Event und (vielleicht letztmalige) Live-Rockgeschichtsausstellung, weshalb auch relativ viele jüngere Menschen die teuren Tickets kauften.

Aber: Es ist eben nicht nur das, sondern auch Rock‘n‘Roll. Und ein Freudenfest, wenn man sieht, wie eine Band gealterter Heroen das eine mit dem anderen zu verknüpfen vermag.

Grandios spielen die über 70-jährigen Herren Jagger, Richards, Wood und Watts ihren frühen Klassiker „Paint It Black“, das Dylansche „Like A Rolling Stone“ oder das staubtrockene „Just A Fool“ von ihrem 2016 erschienen Bluescover-Album „Blue & Lonesome“.

Dazu das aus einer Fanwunschliste ausgewählte „She‘s A Rainbow“ von 1967er-Album „Their Satanic Majesties Request“, das ein hippiesk-psychedelischer Ausflug war, von dem aus die Stones in ihre musikalisch beste Bandphase starteten.

Kurz darauf produzierten sie die Monstersongs „Jumpin’ Jack Flash“, „Sympathy For The Devil“ oder auch „Midnight Rambler“, die natürlich zum Live-Set in Berlin am Freitagabend gehörten. Bei „Gimme Shelter“ liefern sie mit Schwarz-weiß-Fotos auf den Riesenscreens zudem eine optische Reminiszenz an die Rebel-Ära vor 50 Jahren.

Wenngleich die Stones mit Revoluzzertum damals gar nichts am Hut hatten. „Was kann ein armer Junge tun, außer in einer Rock‘n‘Roll-Band zu singen?“, sang Jagger 1968 in „Street Fighting Man“. Am Freitag war es gleich der Eröffnungssong. Kann man auch als Statement zu den Jubiläumsfeierlichkeiten des Revoltejahres 1968 werten.