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Online-Projekt erinnert an größten Jugendwerkhof der DDR

Die Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker. Foto: Jens Wolf/Archiv
Die Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker. Foto: Jens Wolf/Archiv FOTO: Jens Wolf
Magdeburg. Jugendliche, die nicht ins sozialistische Bild passten, konnten in der DDR in Jugendwerkhöfe eingewiesen werden. Ein Online-Angebot mit Fotos, Videos und Texten erinnert jetzt an die größte dieser Einrichtungen in Burg bei Magdeburg. Die angestrebte Errichtung eines Dokumentationszentrums in Burg selbst, wo bis 1989 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren untergebracht waren, sei bislang am heutigen Träger gescheitert, sagte Sachsen-Anhalts Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, am Dienstag in Magdeburg. dpa

Das Multimedia-Projekt, an dem Schüler aus einem Burger Gymnasium mitgewirkt haben, erläutere die Arbeitsbedingungen, Gewalt und Isolation anhand von Beispielen. Zeitzeugen kommen zu Wort, aber auch Wissenschaftler und Bürger der Stadt Burg. Diese hätten sich in Befragungen zumeist ahnungslos gezeigt und angenommen, es sei Positives in den Heimen geschehen. Ehemalige Heimkinder berichten Neumann-Becker zufolge von militärischem Drill, Bestrafungen und vom Einschließen in Arrestzellen. Das Online-Angebot soll stetig erweitert werden.

In der DDR gab es den Angaben zufolge rund 75 Jugendwerkhöfe, 1989 waren es noch 31 mit knapp 3500 Plätzen. Der Jugendwerkhof „August Bebel“ in Burg war der größte der DDR, er hatte eine Reihe von Außenstellen bis hin ins 90 Kilometer entfernte brandenburgische Lehnin. Die Jugendlichen absolvierten sogenannte Teilfacharbeiter-Ausbildungen, sie gelten Neumann-Becker zufolge heute als ungelernt. Die Jugendlichen waren stigmatisiert, Berufswege blieben ihnen verschlossen.

Info-Angebot zum Jugendwerkhof Burg