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| 18:03 Uhr

Ausstellungseröffnung am 16. Juni
Neue Einsichten in alter Stasi-Zentrale

Eine Besucherin steht im Foyer in der früheren Stasi-Zentrale vor einem großformatigen Foto. In dem teilsanierten Haus 7 in der Ruschestraße 103 wird am 16. Juni die neue Dauerausstellung „Einblick ins Geheime“ zum Stasi-Unterlagen-Archiv für Besucher eröffnet.
Eine Besucherin steht im Foyer in der früheren Stasi-Zentrale vor einem großformatigen Foto. In dem teilsanierten Haus 7 in der Ruschestraße 103 wird am 16. Juni die neue Dauerausstellung „Einblick ins Geheime“ zum Stasi-Unterlagen-Archiv für Besucher eröffnet. FOTO: dpa / Kristin Bethge
Berlin. Millionen Karteikarten, Fotos, kilometerlange Reihen Stasiakten: Was hat die Vergangenheit mit der Zukunft zu tun? Eine neue Ausstellung in der alten Stasizentrale soll Antworten geben.

 In der früheren Stasi-Zentrale in Berlin wird am 16. Juni die neue Dauerausstellung „Einblick ins Geheime“ eröffnet. Gezeigt wird am historischen Ort, wie das Ministerium für Staatssicherheit (MfS, Stasi) Daten über Menschen sammelte und wie das Archiv der DDR-Geheimpolizei funktionierte, teilte die Stasi-Unterlagen-Behörde mit. Auf vier Etagen im teilsanierten Haus 7 sind neben großformatigen Fotos auch die Installation eines Aktenstapels und ein original Karteischrank zu sehen. Wo einst die Abteilung XX im Stasi-Ministerium die Überwachung Oppositioneller steuerte, wird exemplarisch das Schicksal zweier Verfolgter nachgezeichnet. Wie es beispielsweise Gilbert Furian erging, können Besucher in seiner überdimensionierten, begehbaren Akte erfahren

Dem bereits exmatrikulierten Studenten waren Interviews mit DDR-Punks zur Last gelegt worden. Er wollte sie mithilfe seiner Mutter in den Westen schmuggeln. Die Rentnerin wurde erwischt. Furians Aufzeichnungen schadeten den DDR-Interessen und würdigten die gesellschaftliche Ordnung herab, hieß es in seiner Anklage. Er wurde zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt. „Jeden hätte es treffen können. Furian gehörte keiner oppositionellen Gruppe an, er hatte sich nur für die Punkszene interessiert“, sagt Projekt-Koordinator Nicol Püschl, der seit 1992 in der Stasi-Unterlagen-Behörde arbeitet und die Ausstellung maßgeblich mitentwickelt hat. Zum Anliegen sagt er: „Wir stellen mit den Akten den Bürokratismus der Stasi und die Konsequenzen für Menschen dar.“

Püschl findet, politische Bildung sei nach wie vor wichtig, doch viele wüssten nur wenig über die Vergangenheit. „Wir wollen dem mit der Ausstellung entgegentreten“, betont der 56-Jährige. Auch Schulungsfilme der Stasi, alte Tonbänder und Kassetten sollen Einblicke vermitteln. Aber: „Wir bewerten nicht – wir stellen die Fakten dar.“ Ziel sei es auch, die Unterschiede zwischen damals und heute deutlich zu machen, hatte der Bundesbeauftragte für die Stasi, Roland Jahn, vorab gesagt. Legte die Stasi einst Akten zur Überwachung von Menschen an, seien sie heute ein Instrument zur Aufarbeitung.

Exponate und Texte sind in Kästen aus Stahlblech angeordnet. „Dieses Fabrikmäßige, dieses Maschinelle soll so unterstrichen werden“, sagt Koordinator Püschl. Interessierte können die unterschiedlichen Ebenen mit einem im Original erhaltenen Paternoster erreichen.

Behördensprecherin Dagmar Hovestädt sagt, erstmals gebe es nun ein kostenloses Dauerangebot, das unabhängig von den begrenzten Führungen im benachbarten Archiv mit den erhaltenen Akten für jeden und täglich zugänglich sei. 111 Kilometer Stasi-Akten, 41 Millionen Karteikarten, mehr als 1,8 Millionen Fotos und rund 16 000 Säcke mit zerrissenen und vor der Vernichtung geretteten Papieren blieben zurück. Im damaligen Ost-Berliner Stadtteil Lichtenberg residierte das Stasi-Ministerium in einem abgeschotteten Gebäude-Komplex mit Tausenden Mitarbeitern.

Der Bundesbeauftragte Jahn will das einstige Stasi-Machtzentrum  zum Lernort für Demokratie und zum Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand ausbauen. Seit 2015 wird im Haus 1, dem einstigen Amtssitz von Stasi-Chef Erich Mielke, über das Wirken der Staatssicherheit informiert. Im Innenhof eröffnete im Vorjahr eine Ausstellung zur friedlichen Revolution. Aus dem einstigen Casino für Stasi-Offiziere (Haus 22) soll ein Informationszentrum mit Bücherladen, Seminarräumen und Lesecafé werden.