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| 20:09 Uhr

Aktuelle Studie im Auftrag der Grünen
Mobilfunkabdeckung: Niederländer top, Deutschland so richtig flop

 Eine aktuelle Studie des Aachener Beratungsunternehmens im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion zeigt: Egal ob Mobilfunkabdeckung oder Datenrate, Deutschland hängt im Vergleich mit anderen europäischen Ländern in beiden Kategorien auf den hinteren Rängen.
Eine aktuelle Studie des Aachener Beratungsunternehmens im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion zeigt: Egal ob Mobilfunkabdeckung oder Datenrate, Deutschland hängt im Vergleich mit anderen europäischen Ländern in beiden Kategorien auf den hinteren Rängen. FOTO: dpa / Jens Büttner
Berlin. Deutschland hinkt bei der Mobilfunkversorgung gehörig hinterher. Das geht aus einer aktuellen Studie des Aachener Beratungsunternehmens P3 im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Sogar die Polen und Albanier sind mobil besser unterwegs. Von Lydia Schauff

„Im Vergleich zu den Mobilfunknetzen seiner europäischen Nachbarn weisen deutsche 4G-Mobilfunknetze (LTE) eine deutlich schlechtere Versorgung hinsichtlich der Netzabdeckung und der erreichten Datenraten auf. Auch das beste Netz in Deutschland ist im internationalen Vergleich weit abgeschlagen“, heißt es gleich im ersten Satz der Studie.

Niederländer bei Abdeckung, Schweizer bei Datenraten top

Sowohl bei der Funkabdeckung als auch bei den Datenraten findet sich Deutschland im hinteren Feld. Bei der Funkabdeckung bringt es die Telekom in Deutschland auf 75,1 Prozent (Telekom), Vodafone mit 56,7 Prozent und Telefonica mit 46,8 Prozent liegen noch weiter hinten. Damit liegt Deutschland etwa hinter Albanien (80,3 Prozent/ Telekom) und hinter Polen (Play/85,8 Prozent, Orange/81,4 Prozent) Spitzenreiter bei der Funkabdeckung ist Tele 2 in den Niederlanden mit 95,2 Prozent Abdeckung.

Auch bei den Datenraten landet Deutschland sehr weit hinten. „Die drei deutschen Netzbetreiber befinden sich mit mittleren Datenraten von weniger als 5 Mbit/s im hinteren Bereich dieses europäischen Vergleiches“, heißt es in der Studie. Ganz vorn stehen in diesem Ranking die Schweizer Mobilfunknetze.

Als ein Grund dafür wird eine falsche Heransgehenweise genannt. So würde bisher bei die Versorgung der Bevölkerung auf die prozentuale Verteilung in der Fläche gesetzt. Dabei entspräche dies nicht dem Nutzungsverhalten. Mobile Kommunikation findet laut P3 nicht vorrangig im Haushalt statt. „Stattdessen kristallisieren sich eindeutig Nutzungsschwerpunkte in städtischen Ballungsgebieten (üblicherweise vor allem dort, wo die Menschen arbeiten), sowie entlang von Autobahnen, Bundesstraßen und Eisenbahnstrecken aus“, heißt es in der Untersuchung. Simples Fazit daraus: Die Netzstrukturen müssen dementsprechend ausgebaut und angepasst werden.

National Roaming als Lösung

Eine schnelle Lösung wäre hier das sogenannte national roaming. Das heißt: In schlecht versorgten Gebieten könnte etwa ein O2-Kunde über das Netz der Telekom online gehen, ohne Zusatzkosten, wenn die Telekom einen besseren Mobilfunkstandard anbietet. Allerdings greift diese Regelung nur, wenn das Netz des eigenen Mobilfunkanbieters nicht über GSM (2G) hinauskommt. Um das zu ermöglichen müssten sich die drei großen deutschen Netzanbieter Telekom, Vodafone und O2 dementsprechend einigen.

In einem Gespräch mit dem IT-Magazin Golem sagte eine Sprecherin Anfang dieses Jahres, dass die Bundesnetzagentur generell offen dafür sei. Eine Verpflichtung zu National Roaming hingegen werde als zu großer Eingriff in die Rechte der Wettbewerber gesehen.

Fakt ist, solange sich an der Herangehensweise nichts ändert, wird auch 5G nicht viel an der aktuellen Situation ändern. Die Studie nennt das schon beschriebene National Roaming oder die Schaffung oder den Ausbau von gemeinsam genutzter Netzinfrastruktur oder gemeinsamen Netzkomponenten innerhalb der bereits existierenden 4G-Mobilfunknetze als Möglichkeit, damit es sich mobil in Deutschland bald besser surft. Entsprechende Netzstrukturen können dann auch für 5G genutzt werden.

Auch hier sind andere Länder schon wesentlich weiter als Deutschland. In Polen nutzen etwa die Mobilfunkanbieter T-Mobile und Orange Netzinfrastruktur gemeinsam. In Schweden gibt es einen Betreiber, der die Infrastruktur zwei Anbietern (Telenor, Tele2) zur Verfügung stellt.

Infos zur 5G-Frequenzvergabe bei der Bundesnetzagentur.