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Land will Regionalverkehr ausbauen und verbessern

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv
Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv FOTO: Maurizio Gambarini
Potsdam. Brandenburg will den Schienennahverkehr im Land bis 2022 mit neuen Linien und mehr Zügen ausbauen und zugleich die Qualität verbessern. „Wir werden das Angebot an vielen Stellen im Netz ausweiten“, sagte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) am Montag in Potsdam. Anlass war die Vorstellung des Entwurfs der Landesregierung für den neuen Landesnahverkehrsplan. In den kommenden Wochen können dazu Verbände, Unternehmen, Kommunen und Bürger Stellung nehmen. dpa

Bis 2022 sollen den Plänen zufolge mit rund 34 Millionen Zugkilometern etwa acht Prozent mehr Leistung im Regionalverkehr bestellt werden. Die Mehrkosten könnten je nach Ergebnis der Ausschreibungen laut Schneider am Ende bei rund 25 Millionen Euro liegen. Profitieren würden vor allem Strecken von und nach Berlin sowie im Umfeld der Hauptstadt. Der Bedarf sei da, bemerkte Schneider: „Die Pendlerzahlen steigen.“ Der Regionalverkehr liege mit einem Anstieg der Fahrgastzahlen um zuletzt mehr als fünf Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Konkret sind zum Beispiel höhere Takte auf der viel genutzten Strecke des RE1 zwischen Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) über Berlin und Potsdam geplant. Auch die Strecke zwischen Berlin und Lübbenau soll häufiger befahren werden, ebenso die nach Nauen. Neue Linien könnte es etwa zwischen Ludwigsfelde und dem künftigen Hauptstadtflughafen BER geben oder zwischen Berlin und Finsterwalde.

Zugleich versprach Schneider, das Angebot werde nirgendwo im Land reduziert. „Es gibt überhaupt keinen Grund, darüber nachzudenken, Verkehre abzubestellen.“ Das bedeutet eine Abkehr von früheren Planungszielen. Sie hatten noch dazu geführt, dass Strecken stillgelegt und Bahnhöfe geschlossen worden waren. Inzwischen stiegen jedoch selbst dort, wo die Bevölkerung abnehme, die Fahrgastzahlen moderat, sagte die Ministerin. Auf weniger nachgefragten Strecken wolle man zudem ausprobieren, ob die Züge mit einem besseren Angebot stärker genutzt werden.

Für die geplante Erweiterung des Regionalverkehrs müssten mitunter auch neue Schienen verlegt werden, zum Beispiel zwischen Lübbenau und Cottbus. „Wir stoßen überall an die Grenzen der Infrastruktur“, stellte Schneider fest. Dabei komme es vor allem auf die Deutsche Bahn an. Die größte Hürde sei es derzeit, an weitere Züge zu gelangen. „Ganz Deutschland sucht im Moment nach Fahrzeugen.“ Obendrein fehlten immer noch bereits bestellte Züge.

Die Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, Susanne Henckel, betonte, es gehe auch darum, die Qualität zu verbessern. Sie stellte neue Haltepunkte in Aussicht. Das Angebot an Busverbindungen zum Bahnhof könnte ebenfalls ausgebaut werden. WLAN in Regionalzügen, mehr Raum für Gepäck und Verbesserungen für die Mitnahme von Fahrrädern sind weitere Vorhaben.

Der Fahrgastverband Pro Bahn rief die Menschen dazu auf, ihre Meinung zum Nahverkehrsplan zu äußern. Es sei positiv, dass das Land versuche, nicht erst 2022 mehr Angebote auf die Schiene zu bringen, sondern schon jetzt nach Lösungen für den Fahrplanwechsel 2019 suche, sagte Pro-Bahn-Landeschef Peter Cornelius. „Auch heute ist der Bedarf schon da.“

Enttäuscht zeigte sich der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Rainer Genilke: Die Absichtserklärungen änderten auf absehbare Zeit nichts, kritisierte er. „Brandenburger Pendler werden sich weiter in überfüllten Zügen die Beine in den Bauch stehen müssen.“

Auch die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) drängten auf eine baldige Umsetzung der Vorhaben. „Verbesserungen müssen so schnell wie möglich kommen“, forderte Geschäftsführer Sven Weickert. „Dazu wäre es sinnvoll, die Planungskapazitäten schnell aufzustocken.“

Die Grünen reagierten mit Zweifeln. Der Nahverkehrsplan verdeutliche lediglich, was in den vergangenen Jahren trotz steigender Fahrgastzahlen alles versäumt wurde, sagte Verkehrsexperte Michael Jungclaus. Verbesserungen seien überfällig.