ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:00 Uhr

Berlin
Strandkorb und fremde Welten

ARCHIV - 18.05.2017, Mecklenburg-Vorpommern, Binz: Eine sonnt sich am Strand von Binz  auf der Insel Rügen. Erstmals in der Geschichte der Tourismusmesse ITB gibt es ein Partner-Bundesland. Die Wahl fiel auf Mecklenburg-Vorpommern und der Nordosten will die Gelegenheit nutzen. Der Fokus richtet sich aufs Ausland. (zu dpa "ITB-Partnerbundesland MV will Chance zur Werbung weltweit nutzen" vom 21.02.2018) Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 18.05.2017, Mecklenburg-Vorpommern, Binz: Eine sonnt sich am Strand von Binz auf der Insel Rügen. Erstmals in der Geschichte der Tourismusmesse ITB gibt es ein Partner-Bundesland. Die Wahl fiel auf Mecklenburg-Vorpommern und der Nordosten will die Gelegenheit nutzen. Der Fokus richtet sich aufs Ausland. (zu dpa "ITB-Partnerbundesland MV will Chance zur Werbung weltweit nutzen" vom 21.02.2018) Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: Jens Büttner / dpa
Berlin. In den Cottbuser Messehallen  läuft an diesem Wochenende die Ferien & Freizeitmesse, während in Berlin die ITB ihre Schatten vorauswirft. dpa

In den Cottbuser Messehallen  läuft an diesem Wochenende die Ferien & Freizeitmesse mit rund 200 Ausstellern, während in Berlin die Internationale Tourismus-Börse (ITB) ihre Schatten vorauswirft. Sie verspricht, fremde Kulturen  nach Berlin zu holen. Aber statt Exotik wird in diesem Jahr Heimat geboten: Mecklenburg-Vorpommern heißt  das offizielle Partnerland der weltgrößten Reisemesse (7. bis 11. März), das in einer guten Autostunde von der Bundeshauptstadt erreichbar ist.

„Der Strandkorb ist der wichtigste Botschafter, den das Land hat“, sagt Wirtschaftsminister Harry Glawe. So sitzt er bei der Präsentation in Berlin mit drei anderen Herren in dem neunsitzigen Riesenstrandkorb vom G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, flankiert von zwei weiblichen Models in Badeanzügen.

Strandkörbe hier, Strandkörbe da - überall auf dem Messegelände sollen sie aufgestellt werden, um ein Urlaubsgefühl in den Hallen zu verbreiten, so der Plan von Wolfgang Waldmüller, der Vorsitzender des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern ist. An zehn Stellen werden Episoden aus de Geschichte des Strandkorbs erzählt. Ein Korbflechter zeigt, wie man es macht.

Mecklenburg-Vorpommern ist das erste deutsche Bundesland, das die Messe als Partnerland auswählte. Im Vorjahr zählte es 29,7 Millionen Übernachtungen. Unter den Inlandsreisezielen liege das Land mit einem Marktanteil von 7,5 Prozent damit hinter Bayern (9,0 Prozent) auf Platz zwei, stellt Glawe fest. Die ITB sei eine Chance, für Mecklenburg-Vorpommern nun auch „international mehr Aufmerksamkeit zu erringen“.

Die Tourismusregion wirbt dabei mit dem zweideutigen Motto „Urlaub ist unsere Natur“, dazu gehören vor allem die Ostsee, aber auch die Mecklenburgische Seenplatte. Dass die Gäste im deutschen Nordosten „Endlich Ruhe“ haben, macht in zwei ironischen Werbefilmen ausgerechnet der sächsische Kabarettist Michael Haubold, besser bekannt als Olaf Schubert, deutlich.

Sonst ist Ruhe auf der ITB eher nicht zu erwarten und auch gar nicht erwünscht. Vielmehr sollen die Privatbesucher am Publikumswochenende (10./11. März) mit viel Musik, Tanz und Filmen unterhalten werden. 186 Ländern und Regionen wetteifern um die Gunst des reiselustigen Volks. Andalusien will die Sehnsucht mit Flamenco, Schinken und Sherry wecken. Die Dominikanische Republik trommelt mit Merengue. Sambias Tänzer tragen fantasievolle Masken. Slowenien bietet Armbrustschießen und Hufeisenwerfen an. Die Pidinger Goaßl-Schnalzer lassen in der Bayernhalle zur vollen Stunde ihre Peitschen knallen.

Für junge Leute veranstalten Studenten der Hochschule Bremen in einer Lounge das „kleinste Festival der Welt“. Die Messe will damit dem Trend Rechnung tragen, dass Jugendliche eigens für Musikereignisse in fremde Länder reisen. In einer Fotobox können Besucher sich virtuell zu diversen Orten befördern und dort fotografieren lassen.

Etwas makaber mutet das „außergewöhnliche Reiseziel“ an, auf das Messedirektor Martin Buck besonders hinweist: Die Sperrzone rund um das ukrainische Atomkraftwerk von Tschernobyl, dem Schauplatz der Reaktorkatastrophe von 1986. Auf der ITB kann man sich mit Fotos, Filmen und einer per Computer simulierten Welt in die Umgebung des Meilers und der Geisterstadt Prypjat begeben.

In der Realität gibt es inzwischen geführte Touren in die Nähe des Unglücksreaktors. „Nach vielen Jahren Totalquarantäne hat sich dort eine einmalige Fauna und Flora entwickelt“, ein „kurioses Phänomen“, wie Buck sagt. In gefährlich verstrahlte Bereiche komme man dabei nicht, versichert der Tourismusmanager.

Wie sieht es sonst aus? Zwar hatte sich die Nachfrage im vergangenen Jahr insgesamt wieder belebt, doch mit Türkei-Urlauben hielten sich viele Sonnenhungrige aus Deutschland weiter zurück. Politische Spannungen zwischen Berlin und Ankara nach der Verhaftung deutscher Menschenrechtler und Journalisten sorgten für Verunsicherung.

Inzwischen erlebt das Land am Bosporus ein Comeback. „In Deutschland liegen die Türkei-Buchungen derzeit 50 Prozent höher als im Vorjahr“, sagte Tui-Vorstandschef Fritz Joussen jüngst. Über alle Herkunfts- und Urlaubsländer der Reisenden hinweg stiegen die Buchungen für den Sommer beim weltgrößten Tourismuskonzern um sechs Prozent.

„Ägypten und die Türkei sind wieder in alter Stärke zurück. Auch Griechenland boomt weiter“, berichtet Ralph Schiller, Geschäftsführer bei der FTI-Group. Das werde die extreme Ausrichtung auf Spanien in den beiden letzten Jahren etwas abschwächen.

Ähnliches konstatiert Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser. Gestiegene Nachfrage verzeichnet der in mehreren Ländern operierende Konzern insbesondere für die Türkei, Ägypten und Griechenland. „Die in den vergangenen zwei bis drei Jahren sehr starke Nachfrage nach Spanien scheint sich dagegen zu normalisieren“, sagte der Vorstandschef bei der Vorlage der Quartalsbilanz.

Bei Sonnenhungrigen aus Deutschland wird Spanien nach Einschätzung von Tourismusforscher Martin Lohmann aber auch 2018 ganz oben auf der Beliebtheitsskala ausländischer Ziele stehen. Die Veranstalter der Alltours-Gruppe erwarten in diesem Jahr erstmals mehr als eine Million Gäste in dem Land. Insgesamt lägen die Buchungen für die Sommersaison derzeit weit über Plan, hießt bei den Düsseldorfern.

Ungebrochen ist Lohmann zufolge auch die Begeisterung für Urlaube zwischen Ostsee und Bodensee. Ziele im Inland dürften auch in der laufenden Saison die Hitliste mit einem Anteil von etwa 30 Prozent anführen. „Für alle Reisen gilt: Deutschland ist das Reiseziel Nummer eins“, sagt Lohmann.

Vor allem die Ostsee und die Nordsee seien im Sommer 2018 stark nachgefragt, berichtet DER Touristik.