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Hilfsorganisationen haben Probleme beim Spendeneinzahlen

Jemand zahlt Geld in einen Sammelkorb für die Kollekte. Foto: Jens Wolf/Archiv
Jemand zahlt Geld in einen Sammelkorb für die Kollekte. Foto: Jens Wolf/Archiv FOTO: Jens Wolf
Berlin. Gemeinnützige Organisationen und Kirchen in Berlin haben beim Einzahlen von Spendengeldern immer häufiger Probleme. Die Einzahlung ist oft kostenpflichtig und aufwendig. Das fällt besonders im November und Dezember ins Gewicht. Die meisten Hilfsorganisationen sammelten nach Angaben des Deutschen Fundraising Verbands über die Hälfte ihrer gesamten Spenden pro Jahr im vierten Quartal. Von Björn Graas, dpa

Nicht jede Bankfiliale nehme Münzgeld an. „Die Einzahlung ist rein örtlich erschwert, teilweise müssen weite Wege zurückgelegt werden, damit Geld eingezahlt werden kann“, sagte eine Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ziehe man die Kosten für die Einzahlung ab, bliebe bei kleineren Sammlungen kaum noch Geld übrig, das sinnvoll verwendet werden könne.

Ziel der EKBO sei es jedoch, Kollekten in voller Höhe dem Zweck zuzuführen, für den gespendet worden sei. „So belasten die Gebühren die kirchlichen Haushalte, so dass die Kirche an anderen Stellen Leistungen einschränken muss“, hieß es.

Die ehrenamtlichen Helfer der Berliner Tafel kritisieren die technische Ausstattung der Banken mit Münzzählautomaten. „Der Automat ist öfter voll oder kaputt“, sagte Antje Trölsch, Geschäftsführerin des Vereins „Berliner Tafel e.V.“. Die Einzahlung dauere sehr lange, bei technischen Problemen hätten die Bankangestellten nicht immer sofort Zeit. „Da es nur einen Automaten gibt, müssen andere Kunden warten, bis wir fertig sind oder wir lassen sie vor. Wir wünschen uns die Möglichkeit, kostenlos einzuzahlen und mindestens zwei Automaten vor Ort.“

Die Gebühren für das Einzahlen von Münzgeld sind von Bank zu Bank unterschiedlich. „Firmenkunden, dazu zählen auch Vereine, zahlen dafür 10 Euro“, sagte eine Sprecherin der Berliner Sparkasse der dpa. Grund für die Gebühr seien unter anderem die Kosten für Sicherheit und Transport der Münzen. Bei der Commerzbank würden hingegen die Konditionen mit gemeinnützigen Vereinen „individuell vereinbart“, erklärte eine Sprecherin. Das Berliner Rote Kreuz nannte eine Summe von fünf Euro pro Einzahlung. „Da würden wir uns wünschen, wenn Hilfsorganisationen von dieser Gebühr befreit wären“, sagte Sprecherin Regina Radke-Lottermann vom Berliner Roten Kreuz.

Die Deutsche Bank nehme größere Mengen Münzgeld nur in gerollter Form oder in sogenannten „Safebags“ an. Dabei handele es sich um Sicherheitstaschen für die Aufbewahrung der gesammelten Münzspenden, die Zählung erfolge zentral. „Für unsere Privatkunden und gemeinnützige Organisationen, die ihr Konto bei der Deutschen Bank haben, ist dieser Service kostenlos“, teilte eine Sprecherin mit. Bei der Berliner Volksbank seien Münzgeldeinzahlungen bis 99,99 Euro pro Monat kostenfrei, sagte Pressesprecherin Anja Smolarek.

Für viele Hilfsorganisationen existieren kaum Alternativen zum Spendensammeln per Münzbehälter. Die Hilfsorganisation „SOS Kinderdörfer“ ist bekannt für ihre zahlreichen Spendenhäuschen, die in Geschäften, Behörden und Arztpraxen aufgestellt werden. Ein kompletter Wegfall der Münzannahme bei Banken würde die Organisation vor große Probleme stellen. Daher forderte Sprecherin Magdalena Tanner-Kaerger „dass diese Möglichkeit der Bareinzahlung zu angemessenen Gebühren bestehen bleibt, um die Spendensammlung über unsere Spendenhäuschen lohnend weiterführen zu können.“

Vorgaben der Europäischen Zentralbank seien nach Angaben des Deutschen Fundraising Verbands die Gründe für das komplizierte Einzahlen von Münzgeld. „Zwei verschiedene Personen nacheinander“ müssten die Münzen zählen, erklärte Sprecherin Christina Raupach. „Dieser Prozess und weitere Faktoren erhöhen den Aufwand für Banken und wirken sich schließlich auf die Gebühren für die Einzahlung von Münzgeld aus.“ Die Leidtragenden wären „besonders Kirchen, Spendenevents und freie Kultureinrichtungen“.

Aktuell arbeiteten Kreditinstitute daran, „Bargeld in Supermärkten abgeben zu können. Das würde den Aufwand für die Banken verringern. Es gibt aber Bereiche in denen man nicht an Münzgeld als Spendeneinnahme vorbei kommt. Denken Sie zum Beispiel an die Kollekte in der Kirche“, so Raupach.

Das Erzbistum Berlin rät Spendern, die nicht bar zahlen möchten, sich an konkreten Projekten zu beteiligen, wie Fördervereine „für Kita, Kirchenmusik oder Erhalt der Kirche. Jede Spende ist natürlich auch über eine Überweisung möglich. Dann besteht die Möglichkeit, die Spende auch steuerlich geltend zu machen“, sagte Pressesprecher Stefan Förner. „Viele Pfarreien aber auch die kirchlichen Hilfswerke versuchen andere Methoden der Spenden-Gewinnung aus dem reichen Repertoire des Fundraising, also Mailing, Online-Spende oder SMS-Spende“. Auf Münzspenden könne die Kirche auch weiter nicht verzichten.