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Hertha erwartet „absolutes Rekordjahr“

Eine Hertha BSC Eckfahne flattert im Wind. Foto: Oliver Mehlis/Archiv
Eine Hertha BSC Eckfahne flattert im Wind. Foto: Oliver Mehlis/Archiv FOTO: Oliver Mehlis
Berlin. Richtig emotional wurde es in der Berliner Messehalle 17 bei einem eigentlich einfachen Antrag auf Satzungsänderung im Paragraph 1: „Der Spielort der Heimspiele aller Mannschaften des Hertha B.S.C. e.V. und seiner Tochtergesellschaften befinden sich innerhalb der Stadtgrenzen von Berlin.“ Gegner des Antrages wurden brutal ausgepfiffen, ausgebuht und niedergebrüllt, so dass Versammlungsleiter Dirk Lentfer sogar mit Konsequenzen drohte, wenn dies nicht aufhöre: „Dann werden wir Dinge machen, die wir noch nie gemacht haben. Das bedeutet, dass Sie rausfliegen.“ Von Jens Mende, dpa

Als die Profis und Trainer Pal Dardai die Mitgliederversammlung längst verlassen hatten, scheiterte der Antrag. 776 der gültigen 1285 Stimmen bei der Mitgliederversammlung waren für die Satzungsänderung, 509 dagegen. Damit wurde die nötige Dreiviertel-Mehrheit verfehlt. Präsidium und Aufsichtsrat erneuerten unabhängig davon, dass sie die Stadionfrage nicht gegen eine Mitglieder-Mehrheit entscheiden würden. Damit ist eine Variante, die neue reine Fußballarena bis 2025 im Brandenburg-Park in Ludwigsfelde zu errichten, praktisch vom Tisch.

Schon zuvor hatte Hertha Rekordzahlen verkündet: Erstmals wurde 2016/17 die Marke von 100 Millionen Euro Umsatz geknackt. 112,3 Millionen Euro hat Hertha in der vergangenen Spielzeit eingenommen, so viel wie nie zuvor. Zum Vergleich: Branchenführer FC Bayern setzte in der gleichen Zeit 640 Millionen Euro um.

Für die aktuelle Saison erwartet Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller für die Berliner ein „absolutes Rekordjahr“ mit einem Umsatz von über 130 Millionen Euro und einer ausgeglichenen Bilanz. Trotzdem reiche dies in der Finanz-Tabelle der 18 Erstligisten nur zu einem Rang im unteren Mittelfeld, schätzte Schiller.

„Wir sind auf einem sehr gutem Weg. In der Kombination ist es ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis“, sagte Schiller. Den Einnahmen von 112,3 Millionen Euro (17 Millionen mehr als 2015/16) standen in der Vorsaison Ausgaben von 119,9 Millionen Euro entgegen, so dass es einen Verlust von 7,6 Millionen Euro gab. Das Personal kostete Hertha 50,8 Millionen Euro, davon entfielen rund 44 Millionen auf die Lizenzspieler. Das ist eine Steigerung von 5,8 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Die Verbindlichkeiten stiegen von 21,22 Millionen Euro im Vorjahr auf 37,54 Millionen. Allerdings verwies Finanzchef Schiller auf über 18 Millionen, die der Verein noch aus Vorauszahlungen von Partnern und Transfereinnahmen aus der Vorsaison erwartet.

„Mich ärgert das überhaupt nicht“, sagte Schiller zum Verlust im vergangenen Geschäftsjahr. Denn die Europa-League-Prämie, die Hertha in der Vorsaison erstmals seit acht Jahren wieder an die Profis zahlen musste, sei „best angelegtes Geld“.

Allein aus der Gruppenphase der aktuellen Europacup-Saison kann Hertha mit sieben bis acht Millionen Euro Einnahmen rechnen. Das Erreichen der K.o.-Runde, wozu am Donnerstag zunächst ein Sieg bei Athletic Bilbao nötig wäre, könnte nochmals rund zwei Millionen Euro bringen. Dazu kommt in den kommenden zehn Jahren nochmals ein zweistelliger Millionen-Betrag aus der TV-Geld-Verteilung, selbst wenn sich Hertha in der Zeit nicht mehr für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Kader Hertha BSC

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Bundesliga-Tabelle

Protokoll der Mitgliederversammlung auf Hertha-Homepage