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Fahrerlose Minibusse nun regelmäßig in Berlin unterwegs

Der autonom fahrende Kleinbus „Olli“. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv
Der autonom fahrende Kleinbus „Olli“. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv FOTO: Maurizio Gambarini
Berlin. In Berlin sind ab Montag erstmals fahrerlose Kleinbusse im Regelbetrieb unterwegs. Die elektrobetriebenen Fahrzeuge werden auf dem Campus Charité Mitte und dem Gelände des Virchow-Klinikums eingesetzt, wie eine Sprecherin der Charité mitteilte. Auf mehreren Linien sollen die Busse Mitarbeiter, Patienten und Besucher transportieren. Den Startschuss werden der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) geben. dpa

Sie sind klein, quietschgelb und surren leise: Erstmals sind in Berlin vier fahrerlose Kleinbusse im Regelbetrieb unterwegs. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) starteten am Montagmorgen offiziell das Projekt. Die elektrobetriebenen Fahrzeuge der Hersteller Navya und EasyMile werden auf dem Campus Charité Mitte und von April an auch auf dem Gelände des Virchow-Klinikums eingesetzt. Mitarbeiter, Patienten und Besucher können kostenlos einsteigen.

Schulze erklärte, mit dem Projekt solle erforscht werden, wie Lücken im Verkehrsnetz geschlossen werden können. „Gerade die letzten Meter, wenn man aus der Bahn kommt und nach Hause will, die sind ganz wichtig“, sagte die Ministerin. Das Bundesumweltministerium fördert das insgesamt rund 4,1 Millionen Euro teure Projekt mit 3,2 Millionen Euro. Weitere Projektpartner sind die BVG, die Charité und das Land Berlin.

Müller nannte das Projekt eine „gute und gewinnbringende Kooperation“. Berlin werde mit diesem Projekt vorangebracht auf dem Weg zu einer „Smart City“. „Das ist hoffentlich auch ein Beispiel für andere“, sagte der Regierende Bürgermeister. Auch die oppositionelle FDP erklärte, man unterstütze das Projekt. Berlin müsse ein Vorbild für innovative Mobilität werden. Der Senat solle seine Förderung in diesem Bereich ausbauen.

Die fahrerlosen Kleinbusse sind mit maximal 12 Kilometern pro Stunde unterwegs und bieten Sitzplätze für bis zu 11 Personen. Sie werden auf verschiedenen Ringlinien mit 8 bis 9 Haltestellen eingesetzt. Auf dem Campus Charité Mitte befahren die Busse eine Strecke mit rund 1,2 Kilometern Länge, im Virchow-Klinikum werden es 2 Routen mit 0,8 und 1,5 Kilometern sein.

Das Vorhaben war erstmals im vergangenen Sommer vorgestellt worden. Nach ausgiebigen Techniktests und Probefahrten können die Kleinbusse nun in der sogenannten Projektphase eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen soll zunächst eine Aufsichtsperson an Bord sein, die im Notfall in die Technik eingreifen kann. Gänzlich unbegleitet werden die Fahrzeuge voraussichtlich ab dem Frühjahr 2019 verkehren.

In den kommenden Jahren wollen Medizinsoziologen der Charité die Akzeptanz des autonomen Fahrens untersuchen. Für kritische Diskussionen hatte jüngst ein tödlicher Unfall mit einem fahrerlosen Auto im US-Bundesstaat Arizona gesorgt. Umweltministerin Schulze betonte, das autonome Fahren werde in Deutschland vorsichtiger getestet. „Wir erproben mit ganz anderen Geschwindigkeiten und in kleineren Schritten“, so die Ministerin.

Einmalig ist das Projekt in Deutschland nicht: Im vergangenen Oktober hatte die Deutsche Bahn den bundesweit ersten autonom fahrenden Kleinbus im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt. Er pendelt im niederbayerischen Kurort Bad Birnbach zwischen dem Ortskern und einer Therme. In Berlin hatte die Bahn bereits 2016 einen Testbetrieb mit dem Elektrobus „Olli“ auf dem Euref-Campus in Schöneberg begonnen.