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Ein Jahr danach: Weihnachtsmarkt-Händler trotzen Terror

Verwüstung auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv
Verwüstung auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv FOTO: Bernd von Jutrczenka
Berlin. Fast ein Jahr nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche öffnen dort am Montag wieder die Stände und Buden der Händler. Der Chef des örtlichen Schaustellerverbandes, Michael Roden, sagte der Deutschen Presse-Agentur, bei dem diesjährigen Markt seien fast alle wieder dabei, nur ein einziger Händler habe nicht mehr gewollt. „Das Leben geht weiter, wir haben Familie, Verpflichtungen, wir sind Unternehmer, die Uhr muss am Laufen gehalten werden.“ dpa

Knapp ein Jahr nach dem islamistischen Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche öffnen in den nächsten Tagen wieder die Stände und Buden der Händler in der ganzen Hauptstadt. Auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche geht es am Montag los, am gleichen Tag öffnen auch die großen Weihnachtsmärkte auf dem Alexanderplatz, auf dem Gendarmenmarkt und vor dem Schloss Charlottenburg. Einen Tag später, am Dienstag, wird die große Weihnachtsbeleuchtung am Kurfürstendamm und Tauentzien eingeschaltet.

Schon am Freitag starten manche kleineren Märkte, etwa auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Die meisten der insgesamt 80 Weihnachtsmärkte enden am 23. Dezember, dem Tag vor Heiligabend. Manche gehen bis zum 27. Dezember oder bis zum 30. Dezember.

Der bei dem Anschlag mit einem Lastwagen am 19. Dezember 2017 zum Teil zerstörte Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche öffnet am Montagmorgen um 11.00 Uhr. Am Abend gibt es eine offizielle „Eröffnung im Kerzenschein“ mit einem Gedenken an die Opfer und einem Rundgang. Dazu werden auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel (beide SPD) erwartet.

Der Chef des örtlichen Schaustellerverbandes, Michael Roden, sagte der Deutschen Presse-Agentur, bei dem diesjährigen Markt seien fast alle wieder dabei, nur ein einziger Händler habe nicht mehr gewollt. „Das Leben geht weiter, wir haben Familie, Verpflichtungen, wir sind Unternehmer, die Uhr muss am Laufen gehalten werden.“

Die Schausteller hätten mehr als eine Viertelmillion Euro für die Opfer gespendet, Sicherheitskonzepte für den Markt seien entwickelt, die Auflagen dafür erhöht worden. „Dafür müssen wir aber selbst aufkommen“, berichtete Roden. Die Stadt verlange in diesem Jahr 20 Prozent mehr Platzgebühren.

Bei dem Terroranschlag hatte der Attentäter 12 Menschen getötet und mehr als 70 Menschen verletzt. Zum Gedenken an die Opfer bleibt der Weihnachtsmarkt am 19. Dezember den ganzen Tag geschlossen. Dann ist dort die Eröffnung der offiziellen Gedenkstätte - ein mit einer goldenen Metalllegierung gefüllter Riss im Boden - geplant. Die provisorische Gedenkstätte mit Kerzen und Blumen wurde vor einigen Tagen wegen des Aufbaus des Marktes von der Nordseite der Gedächtniskirche auf Stufen, die zur Kirche führen, verlegt.

Nach den Terroranschlägen in Paris, Brüssel und Nizza hatte es auch in den vergangenen Jahren schon erhöhte Sicherheitsvorkehrungen auf vielen Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland gegeben. Auch in Berlin sind in Abstimmung mit Polizei und Feuerwehr mehr Maßnahmen gegen Anschläge geplant. Auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche ist die Polizei dauerhaft mit einem Infomobil präsent. Außerdem soll es verstärkte ständige Polizeistreifen auf dem Platz und in der Umgebung geben.

An der Gedächtniskirche wurden in den vergangenen Tagen an den Straßen Betonsperren zum Schutz gegen Angriffe mit Autos oder Lastwagen aufgestellt. Die Budenbetreiber und Organisatoren der Weihnachtsmärkte kritisieren, dass die Kosten für solche zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen bei ihnen hängen bleiben.

In der „Berliner Zeitung“ klagt der Veranstalter des Marktes auf dem Alexanderplatz über 50 000 Euro zusätzliche Ausgaben und verlangt den Schutz des Staates vor Terror. Ein Sprecher des Berliner Innensenators Andreas Geisel (SPD) verweist auf die übergreifende Terrorabwehr des Staates, die aber nicht die Aufstellung von Betonpollern für bestimmte Veranstaltungen betreffe.