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Easyjet und Condor noch im Rennen um Air-Berlin-Teile

Ein Flugzeug der Air Berlin steht am Flughafen auf dem Vorfeld. Foto: F. Gambarini/Archiv
Ein Flugzeug der Air Berlin steht am Flughafen auf dem Vorfeld. Foto: F. Gambarini/Archiv FOTO: Federico Gambarini
Berlin. Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin verhandelt jetzt parallel mit Easyjet und Condor über den Verkauf von Teilen des Unternehmens. Das teilte ein Air-Berlin-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage mit. „Es ist ein knappes Rennen zwischen den beiden“, sagte er. Knapp wird auch die Zeit für eine Einigung mit einem oder beiden Bietern. Denn Air Berlin stellt an diesem Freitag ihren Flugbetrieb ein. Am späten Abend werden die letzten Maschinen unterwegs sein. dpa

Eine Lösung wurde für die Techniksparte von Air Berlin gefunden, die Standorte in Berlin, Düsseldorf und München hat. Eine Bietergemeinschaft der Wartungsfirma Nayak und des Berliner Logistikers Zeitfracht werde Air Berlin Technik erwerben, teilte Air Berlin mit. Der Vertrag solle noch diese Woche unterzeichnet werden. Rund 300 Mitarbeiter würden übernommen. „Für die weiteren rund 550 Mitarbeiter steht eine Transfergesellschaft zur Abfederung sozialer Härten bereit“, hieß es.

Diese Auffanggesellschaft könne „aufgrund der Liquiditätssituation“ in diesem Verfahren ohne staatliche Beihilfe oder Unterstützung Dritter finanziert werden. Anders ist das bei einer Transfergesellschaft für rund 1200 Verwaltungsangestellte, die überwiegend in Berlin sitzen. Deren Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt gilt als schwieriger als die von Piloten und Flugbegleitern. Die Berliner Landesregierung hatte nach Gesprächen am Mittwoch finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt.

Aus Sicht des Unternehmens ist die Einrichtung der Gesellschaft für die Verwaltungmitarbeiter sicher. Air Berlin bat in einem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) offiziell um finanzielle Unterstützung, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Senatssprecherin Claudia Sünder erklärte, Air Berlin habe darin das Land um 11,5 Millionen Euro gebeten und mitgeteilt, selbst bis zu 3,8 Millionen Euro zahlen zu können. Dieses Anliegen werde nun von der Finanzverwaltung geprüft.

„Wir prüfen intensiv und arbeiten daran, Air Berlin die notwendige Unterstützung zu ermöglichen“, sagte Sünder. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, soll die Transfergesellschaft durch einen Kooperationsvertrag am 1. November ihre Tätigkeit aufnehmen. Am Mittwoch waren Gespräche zwischen mehreren Bundesländern und dem Bund gescheitert, um eine große Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Menschen zu gründen. Stattdessen ist nun eine kleinere Variante geplant.

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Die Berliner Arbeitsagenturen stellen sich darauf ein, dass sich kommende Woche bis zu 1200 Mitarbeiter von Air Berlin in der Hauptstadt arbeitslos melden könnten. „Das wird eine Herausforderung“, sagte der Leiter der Arbeitsagentur Berlin-Nord, Christoph Möller, der dpa. Sollte die Transfergesellschaft für die Verwaltungsangestellten nicht entstehen, rechnet er mit mehr Arbeitslosenmeldungen.

Im Ringen um den Verkauf der übrig gebliebenen Teile von Air Berlin blieb zunächst offen, wann im laufenden vorläufigen Insolvenzverfahren spätestens noch ein Abschluss mit der britischen Easyjet oder dem deutschen Ferienflieger möglich ist. Mit Easyjet verhandelt Air Berlin seit gut einem Monat über die Übernahme von etwa 25 Flugzeugen. Easyjet bestätigte, dass die Verhandlungen am Donnerstag noch liefen. Zu den Erfolgsaussichten machte ein Unternehmenssprecher keine Angaben.

Mit dem deutschen Marktführer Lufthansa hatte sich Air Berlin bereits vor zwei Wochen auf die Übernahme von 81 Maschinen verständigt, das ist mehr als die Hälfte der Flotte. Zudem sollen bis zu 3000 Mitarbeiter von Air Berlin zum Lufthansa-Konzern wechseln.