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„Carmen“-Premiere an der Deutschen Oper feiert die Sänger

Blick auf die Deutsche Oper in Berlin (Aufnahme mit Langzeitbelichtung). Foto: Paul Zinken/ Archiv
Blick auf die Deutsche Oper in Berlin (Aufnahme mit Langzeitbelichtung). Foto: Paul Zinken/ Archiv FOTO: Paul Zinken
Berlin. Mit großem Applaus ist am Samstagabend die Premiere der Oper „Carmen“ von Georges Bizet an der Deutschen Oper Berlin gefeiert worden. Der begeisterte Beifall und die vielen Bravorufe galten aber vor allem den vier Solo-Sängern und dem Chor der Deutschen Oper, die eine der bekanntesten Opern um Liebe, Leidenschaft und Eifersucht fulminant zu Gehör brachten. Besonders die französische Mezzosopranistin Clémentine Margaine als Carmen, die amerikanische Sopranistin Heidi Stober als Micaela und der Tenor Charles Castronovo als Don José rissen das Premierenpublikum immer wieder zu Beifallsstürmen und Szenenapplaus hin. dpa

Die teils drastische und betont sexualisierte Inszenierung von Ole Anders Tandberg gefiel aber nicht allen Zuschauern. Der norwegische Regisseur musste sich viele Buhrufe anhören. Tandberg wollte die elementaren Triebkräfte der Oper - in der statt Liebe Sex und Gewalt regieren - wieder stärker sichtbar machen, wie es im Programmheft heißt. Der Kinderchor tritt mit weiß geschminkten Gesichtern und in Gespensterkostümen auf, die an Kinder in Mexiko erinnern sollen, die als Tote auftreten.

Den Getöteten - ob Stier oder Mensch - werden die Organe blutig herausgeschnitten und aus ihnen die Zukunft gelesen. „Wir leben in einer Welt, in der die größten Grausamkeiten an der Tagesordnung sind“, sagte der Regisseur dazu. Dazu gehöre das internationale Geschäft mit dem Organhandel, den er so symbolisiere.

Von dem großen Schaden, der an Heiligabend die Bühne der Deutschen Oper durch eine defekte Sprinkleranlage unter Wasser setzte, bekamen die Zuschauer nicht mehr viel mit. Nur eine kleinere Umbaupause am Ende des ersten Aktes musste eingeschoben werden. Für die Inszenierung wurde extra eine kleinere Drehbühne gebaut, auf der sich eine Arena mit aufsteigenden Rängen dreht. Das betont schlichte Bühnenbild dient ebenso als Zigarettenfabrik wie als Vorstadtkneipe oder Stierkampfarena.