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Cannabis, Ecstasy und Kokain verbreitet in Berliner Clubs

Ein Zollmitarbeiter zeigt eine Ecstasy-Pille. Foto: Henning Kaiser/Archiv
Ein Zollmitarbeiter zeigt eine Ecstasy-Pille. Foto: Henning Kaiser/Archiv FOTO: Henning Kaiser
Berlin. Verbotene Drogen gehören zur Grundausstattung der Berliner Club- und Partyszene. Das ergab eine umfangreiche Befragung von Clubbesuchern, die der Senat in Auftrag gegeben hat. Neben Alkohol und Zigaretten sind besonders Marihuana, chemische Aufputschmittel wie Ecstasy (MDMA) und Speed (Amphetamin) sowie Kokain verbreitet. Aber auch LSD und andere synthetische Substanzen werden im Nachtleben gern genommen. dpa

Weiche und harte Drogen wie Marihuana, Ecstasy und Kokain gehören zur Grundausstattung der Berliner Club- und Partyszene. Das bestätigte eine umfangreiche Befragung von Clubbesuchern, die der Senat in Auftrag gab. Neben Alkohol und Zigaretten sind besonders Cannabis sowie synthetische und natürliche Aufputschmittel verbreitet. Aber auch LSD und andere chemische Substanzen werden im Nachtleben gern genommen. Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) und die Landessuchtbeauftragte Christine Köhler-Azara kündigten zusätzliche Aufklärungsangebote für das junge Partypublikum an.

Mehr als 60 Prozent der 877 Umfrage-Teilnehmer gaben an, in den vergangenen 30 Tagen Cannabis genommen zu haben. Rund 50 Prozent sagten das für Amphetamine wie Speed, 49 Prozent für Ecstasy (MDMA). 36 Prozent der Feiernden hatten Kokain genommen und 32 Prozent das Narkosemittel Ketamin. Auf die höchsten Werte kamen Alkohol (88 Prozent) und Zigaretten (72 Prozent).

52 Prozent der Befragten sagten, sie würden Drogen nehmen, um zu feiern, Spaß zu haben und ihre Stimmung zu verbessern. Bei 17 Prozent ging es auch ums Tanzen, eine stärkere Wahrnehmung und intensiveren Sex. 16 Prozent meinten, sie wären mit den Drogen wacher und könnten länger durchhalten.

Die meisten der Befragten waren junge Erwachsene im Alter zwischen 20 Jahren und Anfang 30. Knapp 75 Prozent haben Abitur oder einen Hochschulabschluss. Knapp ein Drittel studiert, 41 Prozent haben bereits einen Job. 85 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, in Berlin zu leben. Tatsächlich dürfte es aber in den Clubs mehr auswärtige und ausländische Touristen geben - nur wurden sie möglicherweise über die Online-Befragung nicht erreicht.

In knapp der Hälfte der Fragebögen (43,6 Prozent) füllten die Teilnehmer auch freie Felder zu Präventionsangeboten aus. Jeder zweite davon wünschte sich Beratung und Aufklärung. 17 Prozent dieser freien Angaben bezogen sich auf Forderungen nach einer Legalisierung von Rauschgift und das sogenannte Drugchecking.

Unter „Drugchecking“ versteht man die chemische Analyse und Prüfung der Drogen auf Inhaltsstoffe und Verunreinigung durch offizielle Stellen. Bei vorgegebenen Präventionsangeboten erhielt es von den Befragten die höchsten Zustimmungswerte. Allerdings ist so ein Angebot wegen des Bundesgesetzes zum Verbot von Rauschgift rechtlich nicht erlaubt. Der Senat wolle über das Thema trotzdem sprechen, sagte Senatorin Kolat.

Kolat betonte außerdem: „Ich will Clubs und Clubbesucher nicht verteufeln. Aber man darf nicht die Augen davor verschließen, dass der Konsum riskanter Drogen in der Partyszene hoch ist.“ Auch der Freizeitkonsum der Drogen am Wochenende könne zur Abhängigkeit führen. Der Senat stelle 300 000 Euro für neue Aufklärungskampagnen bereit. Man wolle die Clubbesucher ansprechen und auf die Gefährlichkeit bestimmter Drogen hinweisen. Türsteher und Kellner in den Clubs sollten Informationen über Erste-Hilfe-Maßnahmen erhalten.

Die Suchtbeauftragte Köhler-Azara sagte, mit mehr Polizei, härteren Strafen und einer völligen Ablehnung würde man keinen Kontakt zu den jungen Drogenkonsumenten bekommen. „Wir wollen die Menschen erreichen, das geht nur mit einer akzeptierenden Grundhaltung.“

Die Clubbesucher waren im vergangenen Jahr befragt worden. Etwa ein Drittel der Teilnehmer füllte Fragebögen schriftlich aus, zwei Drittel antworteten im Internet. Zusätzlich wurde auch die Meinung von Experten aus der Suchtprävention, von Polizei sowie den Clubbetreibern eingeholt. Die Studie, die 19 000 Euro kostete, ist nicht repräsentativ, weil die Teilnehmer zufällig zusammen kamen.

Der FDP-Gesundheitspolitiker Florian Kluckert kritisierte: „Der Senat kümmert sich zu wenig um die Suchtmittelprävention und die Aufklärung vor Schäden durch den Konsum von Drogen.“ Ein durchdachtes Konzept zum Jugendschutz vor Drogen fehle gänzlich. „Da ist es kein Wunder, dass Berlin die Drogenhauptstadt für die Partyszene ist.“

Mitteilung zur Drogenstudie