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| 13:54 Uhr

Unbeteiligte Frau (22) getötet
Mutmaßliche Diebe fliehen vor Polizei

Bei einer Verfolgungsjagd nach einem Diebstahl hat es in Berlin-Charlottenburg einen schweren Unfall mit einer Toten und mehreren Verletzten gegeben.
Bei einer Verfolgungsjagd nach einem Diebstahl hat es in Berlin-Charlottenburg einen schweren Unfall mit einer Toten und mehreren Verletzten gegeben. FOTO: dpa / Paul Zinken
Berlin. Zertrümmerte Autos, Rettungswagen und ein Polizeiauto säumen eine Straße im Westen Berlins - tragisches Ende einer Verfolgungsjagd. Eine unbeteiligte junge Frau stirbt. dpa

Bei einer wilden Flucht mutmaßlicher Diebe vor der Polizei ist in Berlin eine junge Frau getötet worden. Die 22-jährige Fußgängerin schob ihr Fahrrad am Mittwochabend auf dem Bürgersteig und wurde von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Helfer versuchten noch, sie wiederzubeleben, konnten sie aber nicht retten. Zwei Autofahrerinnen sowie der Fahrer des Fluchtautos und seine beiden Komplizen wurden bei der Verfolgungsjagd in Charlottenburg zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei am Donnerstag berichtete.

Schon am Morgen nach dem schrecklichen Unfall hatten trauernde Menschen Blumen für die Tote abgelegt. Die Initiative Volksentscheid Fahrrad rief für den Nachmittag zu einer Mahnwache auf. Die drei Männer im Alter von 27, 18 und 14 Jahren sollen gegen 21.30 Uhr einen Kleintransporter in der Westfälischen Straße in Wilmersdorf aufgebrochen haben. Zivilpolizisten beobachteten laut Polizei, wie die Männer gestohlene Werkzeuge in einen Wagen luden. Sie folgten einige Kilometer dem mit dem Auto wegfahrenden mutmaßlichen Diebes-Trio.

In der Nähe des Stuttgarter Platzes blockierten die Polizisten zusammen mit alarmierten Kollegen und deren Autos schließlich den Fluchtwagen. Ein Fahnder stieg aus und ging auf die Männer zu. Dann eskalierte die Situation: Der 27-jährige Fahrer des Fluchtwagens gab plötzlich Gas, fuhr vor und zurück, klemmte dabei den Polizisten mit der Stoßstange ein und rammte die Polizeiautos, bis er frei kam.

Die Tatverdächtigen rasten sodann über die Windscheidstraße zur etwa 200 Meter entfernte Kantstraße. Nach Zeugenaussagen verfolgten mehrere zivile Polizeiautos den Fluchwagen. Dabei hätten die Polizisten weder Blaulicht noch Sirenen eingeschaltet, sagte der Zeuge am Mittwochabend. Eine Polizeisprecherin bemerkte dazu, dies werde noch ermittelt. An der Kreuzung missachtete der Fahrer eine rote Ampel und stieß mit zwei anderen Wagen zusammen. Eine 55-jährige und eine 62-jährige Autofahrerin wurden dabei verletzt.

Eine Radfahrerin kam laut Feuerwehr am Mittwochabend ums Leben. Zwei Menschen wurden schwer verletzt, vier leicht. 60 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz.
Eine Radfahrerin kam laut Feuerwehr am Mittwochabend ums Leben. Zwei Menschen wurden schwer verletzt, vier leicht. 60 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz. FOTO: dpa / Paul Zinken

Durch die Wucht der Zusammenstöße geriet der Fluchtwagen ins Schleudern. Dabei überfuhr oder erfasste er die junge Frau, die laut Augenzeugen gerade ihr Rad an der grünen Fußgängerampel über die Straße schob. Die Frau starb an ihren Verletzungen. Der Fluchtwagen schleuderte weiter gegen ein geparktes Auto am Straßenrand und streifte drei weitere Pkw und zwei Poller.

Der angetrunkene Fahrer gab der Polizei zufolge ungerührt weiter Gas und schleuderte über die Windscheidstraße. Hundert Meter weiter stieß der schwer beschädigte Wagen gegen ein weiteres geparktes Auto und kam auf der linken Straßenseite zum Halten. Der Fahrer versuchte daraufhin, zu Fuß zu entkommen, wurde aber schnell von Polizisten gefasst. Die beiden anderen Diebe waren schwer verletzt und wurden im Fluchtwagen festgenommen.

Ebenso wie die beiden Autofahrerinnen und der verletzte Polizist kamen die drei mutmaßlichen Diebe ins Krankenhaus. Der Beamte konnte in der Nacht wieder entlassen werden. Zwei der drei Verdächtigen haben die serbische Staatsangehörigkeit, der jüngste die serbisch-montenegrische. Der 18-Jährige und der 14-Jährige sind der Polizei bereits wegen früherer Taten bekannt.

Die Initiative Volksentscheid twitterte zu dem tragischen Tod der Frau: «Infrastruktur die zum Rasen einlädt führt zu Leid und Tod. Das zeigte sich erst gestern Nacht wieder. Mit dem #Mobilitätsgesetz werden wir das ändern.» Das Regelwerk soll nach dem Willen des rot-rot-grünen Senats dem Fahrrad- und öffentlichen Nahverkehr erstmals Vorrang vor dem Autoverkehr in der Bundeshauptstadt einräumen.