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Air Berlin drückt bei Transfergesellschaft aufs Tempo

Air Berlin will schnell über eine Transfergesellschaft entscheiden. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv
Air Berlin will schnell über eine Transfergesellschaft entscheiden. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv FOTO: Ralf Hirschberger
Berlin. In den Verhandlungen über eine Auffanggesellschaft für Tausende Mitarbeiter der insolventen Air Berlin drückt die Fluggesellschaft aufs Tempo. „Wir brauchen Anfang nächster Woche eine Entscheidung“, sagte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus der „Rheinischen Post“ (Samstag). Seinen Schätzungen zufolge könnten in der Auffanggesellschaft bis zu 4000 Mitarbeiter Platz finden. Kebekus forderte die Unterstützung der Politik ein. dpa

„Air Berlin selber kann die Transfergesellschaft nicht alleine finanzieren, also brauchen wir Hilfe von den betroffenen Ländern und vielleicht auch vom Bund. Es geht darum, dass die öffentliche Hand den Beitrag bezahlt, den wir nicht leisten können“, sagte Kebekus. Für diesen Montag ist ein Treffen von Vertretern des Bundes sowie der Air-Berlin-Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern in der Hauptstadt geplant.

Falls eine Einigung auf eine Transfergesellschaft misslinge, müsse das Unternehmen Ende Oktober oder Anfang November Mitarbeiter entlassen. „Wir würden dann zirka 4000 Kündigungen aussprechen“, sagte Kebekus. Davon ausgenommen seien zunächst etwa 1700 Menschen, die bei den Tochterfirmen Niki und LG Walter arbeiten und mit den Firmen zur Lufthansa-Billiglinie Eurowings wechseln sollen.

Kebekus räumte ein, dass einige Piloten im Falle eines Wechsels von Air Berlin zu Eurowings deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssten. „Ja, für manche Kapitäne aus früheren LTU-Zeiten sind die Einschnitte schon groß – aber bestimmte Gehälter sind eben nicht mehr marktgerecht“, sagte er und betonte: „Aber insgesamt sind das faire Angebote.“

Der Generalbevollmächtigte betonte erneut, das Unternehmen werde den Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit inklusive Verzinsung von rund zehn Prozent“ zurückzahlen. Kebekus lobte, der Bund mache damit ein gutes Geschäft. Großbritannien habe 70 Millionen Euro gezahlt, um Passagiere der pleite gegangenen Fluglinie Monarch aus dem Urlaub zurückzuholen. „Unser Staat macht dagegen einen Zinsgewinn mit dem Kredit an uns.“

Die scharfe Kritik an der Millionen-Absicherung für Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann wies Kebekus deutlich zurück. „Diese Diskussion ist an Heuchelei nicht zu überbieten und in höchstem Maße unseriös“, sagte er. Die 4,5 Millionen Euro würden die Insolvenzmasse nicht belasten und weder Kunden noch Mitarbeitern entgehen, weil sie „alleine vom früheren Hauptgesellschafter Etihad über eine Bankbürgschaft finanziert“ wurden. „Diese scheinheilige Diskussion könnte zu der fatalen Konsequenz führen, dass fähige Manager bei solchen Sanierungsfällen nicht mehr einsteigen.“