Im Casting "Deutschland sucht den Olympia-Bewerber" fällt heute die Vorentscheidung. Nach intensiven Gesprächen mit den Spitzensportverbänden und einer 43-köpfigen Expertenrunde wird das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes seine mit Spannung erwartete Empfehlung abgeben, welche Stadt die DOSB-Mitglieder auf der Vollversammlung am 21. März ins Rennen um die Sommerspiele 2024 schicken sollen.

In Hamburg wird auf einer großen Olympia-Party in der O2 World live mitgefiebert, wenn DOSB-Präsident Alfons Hörmann gegen 19 Uhr das Ergebnis in einem Frankfurter Hotel bekanntgibt. In Berlin sind keine Aktivitäten geplant - außer von den Olympia-Gegnern. Das spiegelt ein wenig die Stimmungslage in beiden Metropolen wider: An Elbe und Alster votierten jüngst 64 Prozent für Sommerspiele, an der Spree waren es nur 55 Prozent.

Dennoch sind die Umfragewerte nur ein kleiner Teil im großen Puzzle, das der DOSB zusammensetzen muss. Die Unterstützung der Bürger Hamburgs beziehungsweise Berlins sei "sicher ein ganz wichtiger Punkt", betonte Hörmann, aber nicht das allein entscheidende Merkmal. Es gelte, "alle Aspekte abzuwägen und ein stimmiges Gesamtkonzept umzusetzen", sagte er und fügte hinzu: "Oberstes Ziel ist es, die Spiele nach Deutschland zu holen." Darin ist sich der Präsident der Dachorganisation des deutschen Sports mit Bundesinnenminister de Maizière einig. Der rief in einem Interview der Zeitung "Die Welt" dazu auf, sich an die Seite des deutschen Bewerbers zu stellen. Alle Beteiligten wissen, dass jetzt erst ein Etappenziel erreicht wird. Bis zur Abgabe der Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee, die bis 15. September erfolgen muss, wartet viel Arbeit auf die Olympia-Macher. Es muss nicht nur ein Konzept her, mit dem man gegen starke Konkurrenten wie Boston oder Rom bestehen kann, sondern zuvorderst auch die heimische Bevölkerung von dem Großprojekt überzeugt werden.

"Ich finde, dass wir Deutsche glänzend darin sind, immer Gegenargumente zu finden. Mit der Bewerbung um Olympische Sommerspiele können wir beweisen, dass wir auch zum Gegenteil in der Lage sind. Wenn ein Projekt kosten- und zeitgerecht gut zu planen und hinzubekommen ist, dann sollten wir diese Chance nutzen", appellierte de Maizière.

Zum Thema:
Berlin geht von Kosten von 2,5 Milliarden Euro aus, davon entfallen 1,5 Milliarden auf den Neubau von Sportstätten, 500 Millionen auf die Sanierung bestehender Arenen. Hamburg rechnet nach ersten Kalkulationen für Neubau und Sanierung mit Kosten in Höhe von 1,38 Milliarden Euro. Inklusive Planungs- und Kostenrisiken sowie Preissteigerungen bis 2024 oder 2028 wird in der Hansestadt von Investitionen in Höhe von 2,09 oder 2,17 Milliarden Euro ausgegangen. Als reine Bewerbungskosten werden in beiden Metropolen rund 50 Millionen Euro veranschlagt. Nicht eingerechnet sind Kosten für die Infrastruktur wie Straßen, Verkehrsmittel oder Bauten im Olympischen Dorf. Ein große Unbekannte sind die Aufwendungen für Sicherheitsstandards.