(epd/roe) Die überwiegende Mehrheit der Bürger sieht in den individuellen Pflegekosten eine zu hohe Belastung für Betroffene und deren Angehörige. Das geht aus dem aktuellen DAK-Pflegereport 2018 hervor, den die Krankenkasse am Mittwoch in Berlin vorstellte. 70 Prozent der Befragten sagten, viele Pflegebedürftige könnten sich keinen Heimplatz leisten. 60 Prozent der Bürger sind der Überzeugung, der Einzug in ein Pflegeheim führe zum Sozialfall. Zudem belegt die Studie die regional sehr unterschiedliche Pflegeversorgung.

Die hohen Pflegekosten sehen die Deutschen generell kritisch. Neun von zehn Befragten sagten, dass Pflegeheime teuer seien. Befragte mit Pflegeerfahrung im eigenen Umfeld stimmten den Aussagen über zu hohe finanzielle Belastungen noch etwas häufiger zu. Der Pflegereport 2018 entstand unter der Leitung des Professors Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg.

Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, kritisierte die unterschiedlich hohen Eigenanteile, die Menschen für die Pflege stemmen müssen. „Pflegebedürftige zahlen in manchen Bundesländern doppelt so viel dazu wie in anderen Regionen“, sagte Storm. Immer mehr Pflegebedürftige seien auf ergänzende Fürsorgeleistungen angewiesen.

Er warb für eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung. „Die Eigenanteile für Pflegeleistungen sollten gedeckelt werden“, sagte Storm. „Es gäbe dann einen einheitlichen Betrag, den die Pflegebedürftigen oder die Angehörigen zahlen, gestaffelt nach Pflegegraden. Alles, was darüber hinausgeht, trägt die Pflegeversicherung.“ Bislang ist es umgekehrt: Die Pflegeversicherung übernimmt einen festen Betrag. Sämtliche weiteren Kosten tragen die Betroffenen und ihre Familien.

Weil bei diesem Modell erhebliche Kosten auf die Pflegekassen zukämen, plädierte Storm zur Finanzierung für einen Bundeszuschuss aus Steuergeldern. „Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte er. „Eine Mitfinanzierung aus Steuermitteln ist sinnvoll.“

Im Report spiegelt sich auch das unterschiedliche Angebot an
Pflegeheimen wider, für die wiederum sehr unterschiedliche Eigen­anteile fällig werden. Vor allem in den östlichen Bundesländern, aber auch im Saarland, in Hessen und in Rheinland-Pfalz, liegt der Schwerpunkt auf der Pflege durch Angehörige. Vollstationäre Pflege ist hier unterdurchschnittlich verbreitet. In den nord- und süddeutschen Ländern Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg werden überdurchschnittlich viele Pflegebedürftige vollstationär versorgt und weniger durch Angehörige zu Hause.

„Die Ergebnisse des DAK-Pflegereports zeigen: Pflegerische Versorgung ist nicht davon abhängig, welche Form für den Einzelnen am besten wäre. Sie ist abhängig vom regionalen Angebot“, sagte Pflegeexperte Thomas Klie. Klie schlug ein regionales Monitoring der Pflegestrukturen vor.

Der Sozialverband VdK begrüßte den Vorschlag, die Eigenanteile der Pflegebedürftigen zu deckeln: „Es darf nicht sein, dass die Pflegebedürftigen immer stärker finanziell belastet werden. Daher sind erhebliche Zuschüsse aus Steuermitteln nötig.“

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte, ohne Zweifel müssten die Pflegebedürftigen bei den Kosten entlastet werden. Die Forderung der DAK gehe aber nicht weit genug. „Vielmehr muss die Pflegeversicherung zukünftig die vollständigen Kosten für die Pflege übernehmen. Nur die Ausgaben für Lebenshaltung und Nebenkosten tragen die Pflegebedürftigen dann auch weiterhin selbst.“