Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) sieht die angespannten deutsch-amerikanischen Beziehungen auf dem Weg zur Normalisierung. Nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld und Vize-Außenminister Richard Armitage in Washington sagte Struck gestern, die Gespräche seien in "freundlicher Atmosphäre" verlaufen. Washington und Berlin seien damit "ein gutes Stück auf dem Weg zur Normalisierung zwischen beiden Staaten" vorangekommen. Struck war der erste deutsche Minister, der seit Ende des Irak-Krieges die USA besuchte. Er einigte sich nach eigenen Angaben mit Rumsfeld darauf, die Zahl der deutschen Soldaten, die wegen des Irak-Krieges US-Einrichtungen in Deutschland schützen sollen, von derzeit 3100 auf 2200 zu reduzieren. Von Seiten Washingtons habe es jedoch keine "konkreten Anforderungen" gegeben, was eine deutsche Beteiligung in Irak angehen würde, sagte Struck. Deutschland u nd Frankreich ebenso wie alle anderen Nato-Mitglieder hätten aber "sicherlich überhaupt nichts dagegen", wenn jetzt militärische Überlegungen für die Nachkriegsphase im Irak angestellt würden. Was die Beiträge einzelner Staaten betreffe, sei dies jedoch "eine jeweilige nationale souveräne Entscheidung".
Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski hatte in der US-Zeitung "Washington Times" darauf verwiesen, dass es innerhalb der Nato bereits ein deutsch-polnisch-dänisches Korps gebe. Für die Aufgabe im Irak bestehe also bereits eine "fertige Kommandostruktur". Szmajdzinski zeigte sich zuversichtlich, dass die USA an einer Kooperation Polens mit Deutschland und Dänemark innerhalb der Irak-Truppe "interessiert" seien, ungeachtet des deutsch-amerikanischen Streits um den Krieg.
Aus Berlin verlautete gestern, das Thema Irak würden Bundeskanzler Schröder, der französische Präsident Jacques Chirac und der polnische Staatschef Aleksander Kwasniewski an diesem Freitag in Breslau bei ihrem Gipfeltreffen im Rahmen des "Weimarer Dreiecks" erörtern.
Unterdessen stellte sich im Irak eine führende Funktionärin und Wissen-
schaftlerin des gestürzten Regimes von Saddam Hussein den US-Truppen. Wie US-Sender unter Berufung auf Angaben von Militärbeamten berichteten, befindet sich Huda Salih Mahdi Ammasch, eine studierte Biologin, in amerikanischem Gewahrsam. Mahdi Ammasch, die von der Boulevardpresse auch "Frau Milzbrand" genannt wird, stand auf der Liste der 55 meist gesuchten Iraker auf Platz 53.
Wie gestern aus Bagdad verlautete, erwarten die USA bereits in diesem Monat die Bildung einer Übergangsregierung im Irak mit bis zu neun Vertretern verschiedener Gruppen. "Bis zur Mitte dieses Monats wird man wirklich die Grundzüge einer irakischen Regierung mit einem irakischen Gesicht sehen, die mit der Koalition zusammenarbeitet", sagte der amerikanische Zivilverwalter Jay Garner nach Medienberichten gestern in Bagdad. Was man wahrscheinlich sehen werde, sei ein Gremium aus "sieben, acht, neun Führungspersönlichkeiten". (dpa/AFP/uf)