„Diese Mauer ist auch nach ihrer Überwindung ein Symbol entsetzlicher politischer Verirrung und damit verbunden mit vielen menschlichen Tragödien“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (beide SPD), legte Lammert Kränze an der zentralen Gedenkstätte Berliner Mauer nieder.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erinnerte nach Worten eines Regierungssprechers zu Beginn der Kabinettssitzung an den Bau der Mauer sowie „das Leid, das dadurch ausgelöst wurde“. Die Mauer trennte Berlin in der Zeit vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989. Sie war eines der bekanntesten Symbole für den Kalten Krieg und die deutsche Teilung.

Lammert sagte, das Interesse junger Menschen an der Geschichte Deutschlands nehme wieder zu. „Wir müssen alles tun, das Informationsbedürfnis nach Kräften zu befördern.“ Damit bezog er sich auf eine Untersuchung, die großes Unwissen bei Schülern in Ost und West über die DDR offengelegt hatte. Er bedauerte, dass die Mauer nach der Wende nahezu restlos abgerissen wurde. Es sei ein „durchaus fragwürdiges Ergebnis“ der Freude über die Wiedervereinigung, „dass im Herzen der Stadt ein authentischer Beleg über die Mauer und was sie bedeutet hat, fehlt“.

Unterdessen ging die Diskussion über die tatsächliche Zahl der Opfer von Mauer und Stacheldraht weiter. Das „Mauermuseum - Museum Haus am Checkpoint Charlie“ veröffentlichte doppelseitige Anzeigen mit Namen von Menschen, die bei Fluchtversuchen ums Leben kamen. Das private Museum geht von 222 Opfern allein an der Berliner Mauer aus. Das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und die Gedenkstätte Berliner Mauer hatten kürzlich die Zahl von mindestens 136 Menschen genannt. Lammert sagte dazu: „Dieser Streit ist, was die Anzahl betrifft, nach meiner Einschätzung ebenso unnötig wie unwürdig. Jedes Opfer ist eins zu viel.“

Nach einer forsa-Umfrage der Zeitschrift „P.M. History“ empfinden zwar 59 Prozent der Deutschen die Wiedervereinigung als großes Glück. 12 Prozent aber halten sie für einen historischen Fehler. Zwei Drittel der Befragten gaben an, noch immer überwiege das Trennende zwischen Ost und West. Forsa befragte vom 23. bis 27. Juni telefonisch 1007 repräsentativ ausgewählte Erwachsene.