Eigentlich wollte der Berliner Altbischof Wolfgang Huber nur von Berlin zum Neuen Markt nach Potsdam mit dem Taxi fahren. Doch das erwies sich als schwieriger als gedacht: Der Fahrer wollte erst die Stadt "Neumarkt" in sein Navigationsgerät eingeben. Dann fand das Gerät die Adresse nicht. Der Bischof mahnte zur Eile - und fand sich am Straßenrand wieder. Weil sich der Taxifahrer in Potsdam nicht auskannte, flog der Theologe aus dem Auto. "Für mich ist das ein Beleg, wie fremd sich Berlin und Brandenburg noch immer sind", sagte Huber am Donnerstagabend in Potsdam. Der Theologe hielt die zweite "Potsdamer Rede zu Berlin-Brandenburg".

Doch während die erste Potsdamer Rede und ein Zeitungsartikel, in dem der frühere Senator Volker Hassemer (CDU) im Oktober für einen neuen Anlauf zu einer Länderfusion plädierte, immerhin noch eine Debatte entfachten, hielt sich das Interesse beim Folgetermin in Grenzen. Vielleicht fünfzig Zuhörer, meist ältere Semester, waren in das Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte gekommen.

Hassemer hatte einen Sturm im Wasserglas entfacht. Das Interesse am Thema Länderfusion bleibt in Brandenburg gering. "Es ist in Brandenburg kein Thema", sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Freitag, als er seinen Antrittsbesuch bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) machte. "Im Land wird es deutlich kritisch gesehen."

Klaus Wowereit dagegen sah das anders: "Berlin ist zu einer Fusion bereit." Zwar verwies Woidke dann darauf, dass Berlin besser als jeder andere Stadtstaat mit seinem Umland zusammenarbeite. Doch an der Erfolglosigkeit des neuen Fusionsanlaufs ändert das nichts, zumal es zwischen den Ländern zuweilen sogar erheblich knirscht.

Ein Beispiel dafür ist der Streit um das Nachtflugverbot: Nach dem erfolgreichen Volksbegehren im Land Brandenburg hatte der Potsdamer Landtag im Februar dafür plädiert, dass es am Flughafen Schönefeld von 22 bis 6 Uhr ein Nachtflugverbot geben soll. Darüber sollte die Landesregierung mit den beiden anderen Gesellschaftern, dem Land Berlin und dem Bund, verhandeln.

"Wir haben darüber gesprochen", sagte Woidke nun nach dem Treffen mit Wowereit. Doch Erfolgsmeldungen klingen anders. Und tatsächlich sind die Verhandlungen zwischen Potsdam und Berlin an dieser Stelle nicht sonderlich weit gediehen. Klaus Wowereit verwies am Freitag lediglich auf eine Änderung der Gebührensatzung der Flughafengesellschaft: Laute Flugzeuge müssen künftig höhere Entgelte entrichten als leise Maschinen. Ansonsten müssen man vor allem die Wirtschaftlichkeit des Flughafens im Blick haben.

Von einem Eingehen der Berliner auf die Forderungen aus Potsdam war nicht die Rede - was auch der Akzeptanz einer Länderfusion etwa im Berliner Speckgürtel nicht sonderlich zugutekommen dürfte. Und der Altbischof? In der "Potsdamer Rede zu Berlin-Brandenburg" trat Huber für einen Ausbau der bestehenden Kooperationen zwischen den beiden Bundesländern ein. So wie auch Wowereit und Woidke. "Eine weitere Verstärkung der Kooperation setzt eine bessere Kenntnis voneinander voraus", so Huber. Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD plädierte für Kristallisationspunkte, an denen die gemeinsame Geschichte deutlich werde. Dazu gehöre etwa die im Aufbau befindliche Potsdamer Garnisonkirche.

Der gemeinsame Geschichtsraum Berlin-Brandenburg sei heute "zerklüftet". "Brandenburg ist nicht eine kleine DDR, sondern es ist Deutschland im Kleinen", so Huber. Es finde sich in der Region nicht nur das Ost-West-Gefälle wie zwischen West- und Ost-Berlin, sondern auch ein Nord-Süd-Gefälle zwischen der Lausitz und der Uckermark. Weswegen es wohl noch viele "Potsdamer Reden zu Berlin-Brandenburg" und viele Arbeitstreffen der Ministerpräsidenten brauchen wird, bevor ein neuer Anlauf zur Länderfusion erfolgreich endet.